Welche Voraussetzungen muss man als Designerin so außergewöhnlicher Schuhe mitbringen?
Ich glaube, grundsätzlich ist es gut, wenn man das Handwerk beherrscht, denn man kann nur Regeln brechen, die man kennt. Außerdem ist es ohne handwerkliche Kompetenz schwierig, ein Modell zu entwerfen, das nicht nur innovativ ist, sondern auch sofort umgesetzt werden kann. Darüber hinaus sollte man auch seinen eigenen Stil haben und ihm treu, gleichzeitig aber in der Lage sein, etwas ganz Neues zu entwickeln. Das ist nicht einfach, denn auf die eine oder andere Weise ist so vieles schon mal da gewesen.
Wenn Sie aus Ihrer Werkstatt – Ihrer eigenen Welt, wie Sie es nennen – kommen und in Wien auf den Straßen unterwegs sind: Wie gefällt Ihnen, was Sie da sehen?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede und jeder tragen soll, worin er oder sie sich wohlfühlt. Dennoch fände ich es schön, wenn die Menschen auch mal wieder mutiger wären und sich individueller oder ein bisschen eleganter kleiden würden.
Was müsste sich ändern, damit sie das tun?
Tja, gute Frage. Jeder will etwas anziehen, das bequem ist. Viele kleiden sich sogar fast funktional. Das ist ja auch in Ordnung, wenn ich zum Beispiel zum Bergwandern gehe; dann brauche ich eine Wanderjacke und auch darüber hinaus Kleidung, die eine Funktion hat. Wenn ich aber in die Stadt gehe, in ein Konzert oder ins Theater, dann finde ich es schöner, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, seinen Stil zum Ausdruck bringt und so auch seiner Umgebung gerecht wird oder sie durch sein Erscheinungsbild sogar aufwertet. Im Moment scheint es im Trend zu liegen, sich über so etwas nicht viele Gedanken zu machen. Wenn sich das in Bezug auf den Schuh ändern soll, würde ich sagen: Es müsste Schuhe geben, die sehr bequem, aber eben keine Sneaker sind.
Manchmal sind Schuhe, die als cool gelten, nicht gerade schön. In der britischen Modepresse kursierte kürzlich die These, dass Schuhe im Jahr 2026 sogar hässlich sein müssen, um cool zu sein. Als Belege wurden Sneaker, Birkenstocks, Crocs oder Barfußschuhe genannt.
Ich glaube, das stimmt tatsächlich. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich mich in der Stadt umschaue. Auf den Straßen sind in der Tat viele Menschen in Schuhen unterwegs, die zwar angesagt, aber im Grunde genommen hässlich sind. Auch in den Geschäften werden oft Schuhe angeboten, die zwar cool, aber alles andere als schön sind. Aber ich sehe auch oft Kleidungsstücke, die ich furchtbar finde, zerrissene Jeans zum Beispiel.
Ist Schönheit angesichts des Regnums der Bequemlichkeit keine relevante Größe mehr?
Zumindest sehe ich nicht viel Schönes; auch in den Schuhgeschäften spricht mich das meiste nicht an, weder in Bezug auf die Form oder die Farbe noch hinsichtlich der Materialien. Das finde ich sehr schade. Natürlich muss ein Schuh für den Alltag sehr bequem sein. Aber es müsste doch möglich sein, Schönheit mit Komfort zu vereinen!