Man könnte sagen: Die haben es leicht. Niklas Krohn führt seine Geschäfte in einer Urlaubsregion. Dort sind viele bestens gelaunte Menschen unterwegs, die die Natur genießen und es sich gut gehen lassen wollen – da kann von Konsumflaute wohl keine Rede sein.
Wortmann ist ein Riese im Markt: mehrere Marken im Portfolio und immer wieder neue Ideen. Investitionen in State-of-the-art-Logistik und „mal eben“ 100 Mio. Euro für die Kernmarke Tamaris. Die sind ja eh der Branchenprimus und verfügen über enorme finanzielle Mittel.
Doch ist es so einfach? Nein!
Niklas Krohn hat, wenn die Urlaubssaison vorbei ist, Flaute im Geschäft. Dann kommt so gut wie niemand mehr nach Schleswig-Holstein. Er beschäftigt seine Mitarbeitenden trotzdem weiter und nutzt die Zeit, um sich auf die nächste Saison vorzubereiten. Corona war auch für den Schuhhändler aus Eutin ein Einschnitt: Die Läden waren geschlossen, nichts ging mehr. Das nahm Niklas Krohn, damals frisch gebackener Jungunternehmer, zum Anlass, seine Geschäfte zu
renovieren. Er hätte den Schuhhandel auch bleiben lassen können. Aber er entschied sich anders.
Wortmann hatte anfangs nur eine Marke. Die ersten Kollektionen farbenfroher Damenschuhe waren eine Wette auf die Zukunft. Eine Wette, die aufging. Die Verantwortlichen in Detmold erkannten, dass nur eine wirklich starke Marke Strahlkraft hat. Und investierten massiv in Tamaris. Weitere Marken wurden aufgebaut. Immer wieder sah man bei Wortmann Bedarfe im Markt und entwickelte Lösungen dafür. Bis hin zur Einzelpaar-Bestellung. In der Corona-Pandemie gab CEO Jens Beining die Devise aus: Jetzt ist unsere Zeit. Es galt, aus der Krise etwas zu machen.
Die Entscheidung, die möglicherweise schwierigen Gegebenheiten einfach hinzunehmen oder nach Lösungen zu suchen, das Beste aus einer Situation zu machen, treffen wir jeden Tag neu. Welchen Weg ein Unternehmen einschlägt, ist keine Frage der Größe. Es ist eine Frage der Haltung.