Entscheidend für die Verkäuflichkeit von Vintage-Schuhen ist, dass sie maximal ein-, zweimal getragen, möglichst aber nagelneu sind. „Ein Schuh muss wie neu und sehr bequem sein“, sagt Vivien Vollmer. Auch bei Südstern Secondhand ist man, „was Gebrauchsspuren anbelangt, bei Schuhen viel penibler als bei Kleidung“, so Christina Anhorn aus dem Südstern-Team, allein schon „aus Gründen der Hygiene“. Johanna Prell akzeptiert speziell Birkenstocks grundsätzlich „nur ungetragen, weil der Fuß auf der Innensohle sofort einen Abdruck hinterlässt.“
Doch wer kauft Schuhe, womöglich sogar teure Designermodelle, um sie anschließend eben nicht zu tragen, sondern wieder zu verkaufen? „Das sind Frauen, die sehr viele Schuhe kaufen – und erst später realisieren, dass sie sie doch nicht brauchen“, sagt Viviane Ziechmann, die rund 90 % ihrer Umsätze in ihrem Online-Shop generiert und nur 10 % in ihrem eleganten Geschäft in der Bleibtreustraße. „Oft stellt sich nach dem Kauf heraus, dass ein Schuh doch zu groß oder zu klein ist“, sagt Christina Anhorn. „Und da jeder Fuß anders ist und es viele unbequeme Schuhe gibt“, gebe es auch viele Fehlkäufe. „Meistens sind es klassische Fehlkäufe, die bei uns landen“, bestätigt auch Nina Schröter. Oder Ware, die online bestellt jedoch nicht zurückgeschickt wurde. „Es gibt wohlhabende Frauen, die sich acht Paar Birkenstock nach Hause bestellen und keine Zeit haben, die, die sie nicht wollen, zurückzuschicken“, erzählt Schröter.
Oft handelt es sich dabei „um besondere Modelle aus Kooperationen, die neu 40 Euro kosten. Ich verkaufe sie dann für 99 Euro“. Vorausgesetzt, es kommt eine Kundin, der genau dieser Schuh gefällt und die zufälligerweise die richtige Schuhgröße hat. Denn das Besondere im Vintage-Business ist ja, dass ein Schuhmodell nur einmal in einer bestimmten Größe da ist. „Es gibt Schuhe, die so besonders sind, dass ich sie erst nach drei Jahren verkaufe“, sagt Nina Schröter. Daher kauft sie ihre Ware – anders als die meisten ihrer Vintage-Kolleginnen, die auf Kommissionsbasis agieren – auch direkt an. Momentan ist da zum Beispiel dieser blaue Gummistiefel von Margiela mit Split Toe. „Der ist wirklich sehr ausgefallen“, sagt Schröter. „Aber ich weiß genau: Eines Tages kommt jemand, vielleicht eine Touristin aus Japan, die sagt: Genau diesen Schuh wollte ich schon immer haben!“ Denn – und das ist eigentlich das Schönste am Secondhand-Business – „Wunder gibt es immer wieder!“