Anfang Juli habe es den ersten Kontakt gegeben, Ende Juli wurde der Vertrag unterschrieben. “So schnell haben wir noch nie eine Marke übernommen.” Steinmann-Geschäftsführer Thomas Prechtel zeigt sich ebenfalls “überrascht”, dass die Marke Leonhard Heyden ab sofort unter dem Dach der Steinmann-Gruppe geführt wird.
Ideale Rahmenbedingungen ermöglichten eine rasche Entscheidung. Steinmann halte bekanntermaßen immer die Augen offen nach interessanten Marken, führt Prechtel aus. Speziell im Business-Bereich habe ihnen eine starke Kollektion gefehlt. “Leonhard Heyden passt daher perfekt in unser Portfolio.”
Zur Steinmann-Gruppe gehören u.a. die Schulranzen-Marken Scout und DerDieDas, die Rucksackmarke 4You, das Schmuckkoffer-Label Windrose, Reisegepäck von Hardware und die Kleinlederwaren-Marken Oxmox und Golden Head. Mit Leonhard Heyden präsentiert der Lederwarenspezialist jetzt ein Vollsortiment – von Handtaschen und Regenschirmen abgesehen. Diese Produktgruppen seien aber auch künftig keine Option. “Wir sind kein modischer Taschenanbieter”, stellt der Geschäftsführer klar.
Die Steinmann Gruppe ist mit ihrer Distribution in nahezu allen europäischen Ledern vertreten. Es gibt keinen separaten Vertrieb für Leonhard Heyden, sondern das bestehende Vertriebsteam bietet die Marke zusätzlich an. Die Ware wurde inzwischen in das Logistikzentrum in Nürnberg überführt, von wo aus die Kunden ab sofort beliefert werden.
Auf der ILM vom 10. bis 12. September in Offenbach stellt Steinmann die Leonhard Heyden-Kollektionen an seinem bestehenden Stand vor. Mit Überraschungen ist nicht zu rechnen. Thomas Prechtel: “Die Kollektion ist ausgereift. Das bestätigt uns der Handel. Deshalb werden wir sie eins zu eins übernehmen.”
Der Neustart ist für die ILM Winter Styles in März 2017 geplant. Investiert werden soll vor allem in das Marketing. Zwar kenne jeder Fachhändler Leonhard Heyden. Aber es sei keine Endverbraucher-Marke. “Das werden wir schnell ändern. Wir sind bereit, eine höhere Summe zu investieren”, kündigt Thomas Prechtel an.
“Großes Potenzial” für Jost
Von der schärferen Abgrenzung der Kollektionen Leonhard Heyden und Jost über die kreative Verstärkung mit Creative Director Marco Lachner ins Unternehmen bis zur Neustrukturierung des Vertriebs: Der Verkauf der Marke Leonhard Heyden reiht sich ein in eine lange Kette an Entscheidungen, die in den letzten Saisons zur Sicherung der Unternehmenszukunft getroffen worden seien, berichtet Dietmar Jost, Geschäftsführer der Leonhard Heyden GmbH. “Im Laufe dieses Prozesses sind wir zu dem Entschluss gekommen, uns auf die Marke Jost zu konzentrieren.”
Zusammen mit Marco Lachner sei Jost in den letzten Saisons neu aufgestellt worden. “Wir haben das Produkt weiterentwickelt und viel in der Kommunikation getan.” Diese Aktivitäten tragen jetzt erste Früchte und stimmen den Unternehmer optimistisch. “Zusammen mit unserer Agentur Brandpool haben wir neue Kunden wie Engelhorn, Breuninger oder auch Concept Stores wie The Listener in Frankfurt gewonnen.” Auch international erkennt Jost für seine Marke “großes Potenzial.” Hinzu kommt: Ab Januar wird neben Jost ein “junges Konzept” präsentiert, das zusammen mit Marco Lachner entwickelt wird.
Die Einzelhandelsaktivitäten sind von dem Verkauf nicht betroffen. Unter Leitung von Beate Jost werden die Geschäfte in Hachenburg, Kaiserslautern sowie die drei Standorte in Koblenz unverändert weitergeführt. Das gelte ebenso für die beiden Jost-Stores in Berlin.
Mitarbeiterzahl „natürlich reduziert“
Dagegen schlägt sich der Verkauf der Marke in der Personalstruktur in Hachenburg nieder. Da Vertrieb und Logistik ab sofort in Händen von Steinmann liegen, habe Leonhard Heyden die Mitarbeiterzahl am Firmensitz “natürlich reduziert”, so Dietmar Jost. Und: Im Zuge dieser Entwicklung wird die Leonhard Heyden GmbH umbenannt in Jost GmbH mit den beiden Geschäftsführenden Gesellschaftern Robert Adolf und Dietmar Jost.