Linda Ohlmann weiß aber auch, was es heißt, sich als junge Frau zu behaupten. „Ich war schnell mit dem Studium fertig und bin danach gleich in meinen Job gestartet – mit Anfang 20. Ich war mit Abstand die Jüngste – und hatte zugleich die wenigste Erfahrung.“ Viele andere waren schon seit mehr als 20 Jahren in der Firma. Und da habe es hier und da gewiss Vorbehalte gegeben, „weniger, weil ich eine Frau war – eher, weil ich noch so jung war.“
Bei Ricosta sei der Frauenanteil relativ hoch, sagt Ohlmann; in ihrem Team seien mehr Frauen als Männer tätig. Dass Frauen und Männer grundsätzlich unterschiedlich arbeiten, kann die Produktexpertin nicht bestätigen. „Vieles ist auch eine Frage des Charakters. Die einen sind ruhiger, die anderen offener; manche analytisch, andere kreativ.“ Sie könne es sich aber gut vorstellen, dass Frauen empathischer seien und auch in Führungsrollen mehr Wert auf zwischenmenschliche Aspekte legen als Männer. Diese seien dagegen möglicherweise oft durchsetzungsstärker. Verschiedene Charaktereigenschaften und Stärken im Team sind es aber, so Ohlmann, die am Ende zum Erfolg führen. „Deshalb ist ein diverses Team, in dem Männer und Frauen zusammenarbeiten, so entscheidend.“ Dass der Frauenanteil in der Schuhbranche noch ausbaufähig ist, sieht die 31-Jährige durchaus, „aber es gibt Branchen, die noch deutlich männerdominierter sind als unsere.“ Sie glaubt aber, dass auch die Unternehmen der Schuhbranche stärker hervorheben könnten, was sie tun, um Frauen in ihrer Karriere zu unterstützen. Bei Ricosta habe sie das oft erlebt. „Ich bin immer gefördert worden, auch im Hinblick auf Weiterbildungen, die man mir ermöglicht hat. Ich hatte das Glück, auf Menschen zu treffen, die mein Potenzial gesehen haben. Ohne die wäre meine Karriere so nicht möglich gewesen.“ Zu wissen, dass immer jemand da ist, den sie um Rat fragen kann, das habe ihr Sicherheit gegeben, sagt Ohlmann. „Darum habe ich mir die Position Leitung des Produktmanagements zugetraut.“