’They never come back.‘ Die alte Weisheit aus der Boxwelt gilt in diesen Tagen auch für die Schuhbranche. So ging der zweite Anlauf von Susanne und Christoph Botschen gründlich daneben. Nach nur wenigen Monaten haben die Münchner ihr Projekt Martha Louisa bereits wieder aufgegeben. Der Onlineshop für Luxusschuhe wird zum Jahresende eingestellt. Dabei waren die beiden im Frühjahr noch voller Enthusiasmus gestartet. Drei Jahre mussten sie nach dem Verkauf ihres Unternehmens Mytheresa an die amerikanische Neiman Marcus Group warten, bis sie nach dem Ende ihrer Sperrfrist wieder in der Modebranche tätig werden konnten.
Zweimal sind sie um die Welt gereist – ausgefüllt hat beide das Leben als millionenschwere Frührentner jedoch nicht. Das Ehepaar vermisste die Fashionwelt, den Glamour, die Showrooms, möglicherweise auch die Aufmerksamkeit. So reiften die Pläne für Martha Louisa. Mit einem konsequenten Fokus auf hochpreisige Designerschuhe für Damen positionierte sich das Ehepaar Botschen in einer Nische. Und sah gute Chancen trotz international etablierter Mitbewerber wie Net-A-Porter oder Farfetch. Das Angebot der großen Plattformen sei mittlerweile zu groß und unübersichtlich, erklärte Susanne Botschen zum Start von Martha Louisa im März. „Jetzt schlägt die Stunde der Spezialisten.“ Eine Fehleinschätzung. Die Begründung für das schnelle Aus des Onlineshops ist einleuchtend. Der Umsatz sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, erklärte Christoph Botschen. Im Übrigen ein Phänomen, mit dem in diesem Jahr besonders viele Händler nur allzu gut vertraut sein dürften. Daher habe man sich für die Beendigung eines „spannenden Experiments“ entschieden, so Botschen weiter. ’Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende‘, mag man sich in München gedacht haben. Immerhin ist es auch eine unternehmerische Tugend, sich das eigene Scheitern möglichst frühzeitig und finanzschonend einzugestehen. Nun muss sich um Familie Botschen niemand Sorgen machen. Vor vier Jahren haben sie von Neiman Marcus 150 Mio. Euro erhalten. Trotz misslungenem Comeback dürften noch ausreichende Mittel für einen angenehmen Lebensstil vorhanden sein.
Martha Louisa ist nicht Mytheresa. Die (Handels-)Welt von heute ist eine komplett andere als noch vor fünf oder zehn Jahren. Die Kunden erwarten mehr und verzeihen weniger. Marken machen mehr denn je ihr eigenes Ding. Erfolg lässt sich nicht beliebig wiederholen. Der Wind weht rauer. Erkenntnisse, die weh tun können. Nicht nur Susanne und Christoph Botschen.