Micam in Mailand. Aus der ganzen Welt kamen Einkäufer auf das Messegelände in der italienischen Modemetropole. Knapp 1.400 Aussteller zeigten hier ihre Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2019. Die Hallen waren gut gefüllt, auf vielen Ständen herrschte reges Treiben. Laut einer offiziellen Mitteilung des Veranstalters Assocalzaturifici kamen Mitte September rund 45.500 Besucher nach Mailand. Damit liegt die Messe von den Besucherzahlen her etwa auf dem Niveau der Winter-Ausgabe. Mehr als 27.000 Besucher kamen aus dem Ausland.
Dabei könnten die Rahmenbedingungen besser sein, erklärte Annarita Pilotti, Vorsitzende des Verbands der italienischen Schuhhersteller (Assocalzaturifici). „Die 86. Ausgabe der Micam findet in einem ungünstigen wirtschaftlichen Umfeld statt“, so Pilotti. So sei der erhoffte Aufschwung für die Branche im ersten Halbjahr 2018 ausgeblieben. Zwar seien die Exporte in den ersten fünf Monaten wertmäßig um 3,2% gestiegen, zugleich sei jedoch die exportierte Paarzahl um 1,7% gesunken. „Der Konsum in Italien stagniert seit Jahren, außerdem gibt es neue Probleme in wichtigen Exportländern“, berichtete Annarita Pilotti in Mailand. Sorgen bereiten dem Verband insbesondere die GUS-Staaten. Der positive Trend aus 2017 hat sich hier im laufenden Jahr nicht fortgesetzt. Im Gegenteil: Die Exporte sind von Januar bis Mai um 6% gesunken.
Kein Sorgenkind ist mit Blick auf die Gesamtschuhausfuhren dagegen Deutschland. So stieg der Wert der von deutschen Unternehmen in den ersten fünf Monaten importierten Schuhe um 2,8% an. Hinter Frankreich und der Schweiz bleibt Deutschland damit drittwichtigster Markt für Schuhe ’made in Italy‘.
Gute Stimmung in den Messehallen
Die Stimmung in den Messehallen in Mailand wurde von vielen Besuchern und Ausstellern als sehr gut empfunden. Vor allem die hohe Internationalität wurde gelobt. „Wir sind mit dem Verlauf der Micam sehr zufrieden“, erklärte Jens Beining gegenüber schuhkurier. „Der Besuch ist sehr international und die Stimmung gut. Es wird durchgehend geordert – eine starke Messe“, so das Fazit des Wortmann-CEO. Auch Elena Terrin von Donna Carolina zeigte sich zufrieden, vermisste jedoch Besucher aus Deutschland. „Das Publikum auf der Micam ist sehr international, leider kommen zu wenige deutsche Händler nach Mailand. Das ist bedauerlich, weil diese Messe die Chance bietet, sich wirklich umfassend über neue Trends und Themen zu informieren.“ Und genau diese Neuheiten benötige der Handel heute mehr denn je, ist die Italienerin überzeugt. Elena Terrin: „Denn das Wetter ist nur ein Grund für die aktuell schwierige Marktsituation. Die Kunden erwarten heute andere, modische Sortimente und Läden auf der Höhe der Zeit.“ Für Uwe Deinert von Vic Matié machen sich jedoch noch zu wenige Händler ernsthaft Gedanken über ihre grundsätzliche Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit. „Es ist immer leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Dabei gibt es keine einfachen Erklärungen für die aktuelle Marktsituation. Jeder sollte bei sich selbst anfangen und sein Tun in Frage stellen“, so Deinert.