Im Jahr 2022 haben die Verbundgruppen auf das Segment der Sicherheitsschuhe aufmerksam gemacht und damit dem klassischen Schuhhandel ein Thema näher gebracht, das dort zuvor kaum beachtet wurde. Diese Kategorie zu bedienen, hat auf der einen Seite Sinn ergeben. Schließlich werden die Schuhe gebraucht, sind oft verpflichtend und müssen bei hoher Beanspruchung regelmäßig ersetzt werden. Auf der anderen Seite gab es aber bereits ein etabliertes Vertriebsnetz für Sicherheitsschuhe, über das diejenigen, die Bedarf haben, ihre Produkte seit jeher beziehen können. Zwei Jahre später haben wir bei den Händlern, die sich dem Thema angenähert haben, und bei den Lieferanten von Sicherheitsschuhen nachgefragt, wie sich das Segment seitdem entwickelt hat. Und einigen Händlern ist richtig anzumerken, wie viel Spaß es ihnen macht. Der Erfolg und die Möglichkeit, einen ganz neuen Markt für sich zu erschließen, motiviert sie dazu, im Verkauf neue Wege zu gehen. Das wird zum Beispiel bei David Weihard von Dein Schuhhaus Linn deutlich. Der Schuhhändler aus Ingolstadt veranstaltet nämlich „Sicherheitsschuh-Tupper-Partys“ und fährt im Notfall auch zum Kunden auf die Arbeitsstelle, wenn es dort wegen eines kaputten Schuhs nicht weitergehen kann.
Es ist schön zu sehen, wenn ein neues Thema einen Händler so beflügelt und er merkt, wie er Menschen mit seiner Kompetenz als Kaufmann helfen kann. Und Weihard ist nicht der einzige: Auch andere Händlerinnen und Händler richten besondere Services ein oder bauen ihre Fläche um, um Platz für eine vergrößerte Arbeitsschuhabteilung zu haben. Für die Hersteller in dem Bereich sind die Vollsortimenter natürlich weiterhin ein Nischenthema und werden es auch bleiben. Aber eines, bei dem gerade viele Verantwortliche spüren, dass es wächst und Luft nach oben hat. „Der Retail erlebt gerade eine Renaissance“, erzählt zum Beispiel Christian Landegger vom Hersteller Haix. Während in der Schuhbranche eher darüber geredet wird, sinkende Nachfrage abzufedern, ist es eine wohltuende Abwechslung, ein Segment vorzufinden, bei dem die Entwicklung für beide Seiten eher positiv ist.