Das Geschäft bestand fast zwei Jahrhunderte und war über viele Jahre eine feste Größe in der Region. Künftig will sich Inhaber Rüdiger Schäfer auf die größere Filiale Schuhhaus Stephan im rheinland-pfälzischen Alzey konzentrieren.
Ausschlaggebend für den Rückzug aus Geisenheim waren verschiedene Faktoren. Zum einen lief der Mietvertrag nach 16 Jahren aus. Die Filiale befand sich zentral in der hessischen Kleinstadt Geisenheim. Zwei langjährige Mitarbeiter waren außerdem im Ruhestand und nur noch ab und zu als Aushilfen tätig. Geeignetes und gut qualifiziertes Personal war laut Inhaber Rüdiger Schäfer schwer zu finden. Hinzu kam die organisatorische Belastung, da Geisenheim weit vom Stammsitz in Alzey entfernt liegt und Einspringen damit kaum möglich war. Auch die Umsatzerwartungen für die kommenden Jahre galten als wenig vielversprechend, so Schäfer.
Bereits 2023 hatte das Unternehmen eine Filiale in Mannheim aufgegeben. Dort machten sich ähnliche Probleme bemerkbar: rückläufige Zahlen, verändertes Kaufverhalten und eine zu geringe Ansprache jüngerer Zielgruppen. „Wir haben dort Minus gemacht, weil wir den Kundenwandel nicht richtig angegangen sind. Wir haben uns eher auf spezielle Bedürfnisse konzentriert – etwa große Weiten – und dabei versäumt, moderner und neuer zu werden“, gibt Rüdiger Schäfer zu. Jüngere Kunden habe man so nicht mehr erreicht.
Neben den internen Faktoren waren auch die grundlegenden Veränderungen im Konsumverhalten spürbar. Heute sei es viel schwieriger, mit den veränderten Erwartungen der Kunden Schritt zu halten. „Die Leute halten ihr Geld zurück, geben mehr für Freizeit und Urlaub aus. Für besondere Anlässe kauft kaum noch jemand Schuhe – Sneaker reichen fast immer.“ Da Schuhhaus Kempenich das Segment Turnschuhe nicht fokussiert bedient habe, sei ihm ein wichtiges Marktsegment entgangen.
Auch das Marketing hat sich gewandelt. Viele Unternehmen setzen heute auf Werbung über Social Media. Das sei ein Aspekt gewesen, der zeitlich nur schwer machbar gewesen sei. „Facebook, Instagram – diese Art von Werbung ist sehr zeitaufwändig. Für uns war das kaum zu stemmen.“
Trotz der Herausforderungen blickt der Rüdiger Schäfer insgesamt positiv auf seine jahrzehntelange Tätigkeit zurück. „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.“ Mit der Konzentration auf Alzey will er seine Kräfte künftig an einem Standort bündeln. Dieser biete mehr Fläche sowie eine größere Auswahl.
Doch er räumt auch ein: Die Zeiten hätten sich drastisch verändert. Der stationäre Fachhandel stehe weiter unter Druck – durch den wachsenden Onlinehandel, durch ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten sowie durch steigende regulatorische Anforderungen, die oft mit hohen Unternehmenskosten verbunden seien.
Mit dem letzten verbleibenden Geschäft in Alzey bleibt das traditionsreiche Unternehmen immerhin präsent – wenn auch nicht mehr in Geisenheim.