Wann genau ist ’Anfang September‘? Und was bedeutet die Anmerkung, dass man im Hinblick auf die Location ergebnisoffen diskutieren müsse? Gibt es überhaupt einen alternativen Standort in Düsseldorf, der die notwendige Infrastruktur bietet? Oder zieht die Messe gar in eine andere Stadt? Wie wird – angesichts des angekündigten Wandels – die Februar-Messe über die Bühne gehen? Wie groß ist das Interesse der Verantwortlichen, für eine ohnehin problematische Messe im Falle eines Umzugs deutliche Mehrkosten in Kauf zu nehmen?
Viele Fragen kursieren in der Schuhbranche. Auf die Antworten müssen alle Beteiligten offenbar noch weiter warten. Unterdessen melden sich weitere Vertreter aus Handel und Industrie zu Wort, um ihre Einschätzung zum neuen GDS-Termin zu äußern.
Für den BDSE erklärt Geschäftsführer Prof. Dr. Siegfried Jacobs: „Der deutsche Schuhmarkt braucht eine zugkräftige internationale Fachmesse. Die Hersteller vielleicht noch dringender als der Einzelhandel. Letztlich muss ein Messeangebot den Handel überzeugen, er stimmt ja mit den Füßen ab. Wenn der Schuhhandel das überarbeitete Messekonzept mit dem recht frühen Termin nicht im erhofften Ausmaß honoriert hat, dann muss man das Veranstaltungskonzept erneut ändern und insgesamt attraktiver machen. Auf diesem nicht ganz leichten Weg befindet sich die GDS. Der BDSE begrüßt und unterstützt dies sehr.“
Was die Terminfrage angeht, so könne man es bekanntlich nicht allen recht machen, so Jacobs weiter. Dies gelte für Lieferanten wie für Einzelhändler. „Bei allen Pros und Cons: Ein späterer Termin wird von einigen gewichtigen deutschen Schuhfabrikanten und vielen kleinen italienischen Herstellern begrüßt, teilweise auch mit Nachdruck gefordert. Und dem Schuhhandel fällt es deutlich leichter, modische Trends zu bewerten, wenn er bereits einige Abverkaufserfahrung aus der vorlaufenden Saison hat. Dies stellte sich bei dem vorgezogenen Messetermin oft als Problem dar. Auch ausländische Einkäufer blieben wohl aus diesem Grunde der GDS zunehmend fern.“ Generell gelte: „Um Fehler im Einkauf und überhöhte Preisabschriften zu vermeiden, sollte aus Handelssicht die eigentliche Ordervergabe möglichst nah am Verkaufszeitraum liegen. Der Orderprozess hatte sich jedoch in den vergangenen Saisons in die falsche Richtung bewegt. Dies könnte jetzt korrigiert werden.“ Dr. Matthias Händle, geschäftsführender Gesellschafter der HR Group, sieht in erster Linie die Industrie in der Pflicht. „Die Hersteller sind gefordert, dem Handel ein spannendes Angebot zu machen. Dabei sind Termin und auch Standort der Messe sekundär. Wir benötigen ein zentrales Branchenevent in Deutschland. Daher ist es ein Jammer, wenn die GDS kaputt geredet wird. Sollte es die Messe einmal nicht mehr geben, werden wir uns alle mit Bedauern anschauen und uns wehmütig erinnern…“
Das Händler-Paar Romy und Max Schoenberg aus Saarbrücken hatte sich stets vehement gegen den frühen GDS-Termin ausgesprochen. Entsprechend goutiert Max Schoenberg die nun getroffene Entscheidung der Messe-Verantwortlichen: „Lieber spät als nie – natürlich ist die Entscheidung richtig. Eine internationale Ausstellung ohne internationale Aussteller gibt es nicht – es war nie eine Frage des Funktionierens, sondern der anfänglichen Unmöglichkeit. Keine Messe ohne Aussteller und Hersteller – ohne Aussteller und Hersteller keine Handelsbesucher. Der Vorwurf, der Handel würde seinen Job nicht machen, da er nicht in ausreichender Zahl nach Düsseldorf gekommen war, dreht sich in meinen Augen ins Entgegengesetzte: Ich gehe als Händler dorthin, wo Messe und Aussteller/Fabrikanten ihren Job gemeinsam gut gemacht haben.“
Ohne Spanien, Italien, Portugal und deren überarbeitete Kollektionen in der zweiten Septemberwoche brauche man als Einkäufer keine reine Schuhmesse zu besuchen – „denn 90% unserer Schuhmode kommen aus diesen Ländern. Warum waren wir noch in Mailand auf der White? Weil alle noch einmal ’nachsitzen‘ mussten….“ Ein weiteres Auseinanderdriften von Bestellzeitpunkt und Präsentationszeitpunkt in den Geschäften (online, offline, stationär….) entsprach, so Schoenbergs Überzeugung, auch vor drei Jahren nicht dem Zeitgeist – „seit dreißig Jahren spricht man auf Industrieseite, aber auch bei der Beschaffung von ’just in time‘ – auch im Handel. Gerade unser Unternehmen mit leider zu wenigen anderen hatte klar Stellung bezogen – wir durften uns dann von wenigen großen Ketten und Produzenten, aber auch der Messe und der schreibenden Presse, auch dem schuhkurier, ins Stammbuch schreiben lassen, wir würden eine absolute Minderheitsmeinung vertreten – die außerdem nicht zeitgemäß sei. Aus heutiger Sicht wohl ein Irrtum.
Ein Trost für uns alle – die Wissenden, Besserwissenden und Überzeugten: Bei der Geschwindigkeit, wie sich das Verhalten des Menschen und damit des Kunden im Moment – heute – verändert, sind unsere Überzeugungen morgen vielleicht schon ad absurdum geführt. Und in unserer Branche tut das Wetter dann den Rest: So wie die Landwirtschaft nur ernten kann bei verlässlichem Klima, so auch der Schuhhandel. Und das Wetter treibt doch uns alle – und damit auch unsere Lieferanten und sonstigen Handelspartner – zur Verzweiflung und vielleicht in die Insolvenz.“
Industrie: „Wir brauchen ein Konzept“
Unter Industrievertretern herrscht ein gemischtes Meinungsbild. So erklärt Matthias Reichwald für den dänischen Schuhanbieter Ecco: „Die Terminverschiebung allein wird nicht ausschlaggebend sein, sondern vielmehr, mit welchem Konzept die Messe wieder mehr Besucher ansprechen will. Geordert wird nur noch bei wenigen Marken, deshalb bleibt der Fokus, sich zu informieren und neue Trends zu vermitteln. Ob die GDS diesen Aspekt gerade bei Key Accounts wieder verliert, muss sich zeigen.“
Stefan Frank von Ara, ist von den Vorteilen der neuen Terminierung überzeugt: „Wir begrüßen die Entscheidung, die GDS wieder etwas nach hinten zu positionieren. Insbesondere der Sommertermin Ende Juli wurde vom Handel nicht akzeptiert. Zu dieser Verlegung wünschen wir uns natürlich auch ein neues Messekonzept, um den nordeuropäischen Händlern eine Plattform bereitzustellen, die den Kunden die Möglichkeit zur Information und zur Order auch von aktueller Saisonware bietet.“
Pepijn Van Bommel vom gleichnamigen niederländischen Schuhhersteller erklärt: „Wir waren mit der Terminverlegung auf eine frühe GDS vor einigen Saisons sehr zufrieden. Theoretisch war der frühe Zeitpunkt für die Orientierung gut. Insofern empfanden wir es als tapferen Schritt seitens der GDS. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dieses Timing zu früh für den Markt ist. Der frühe September-Termin ist einfach der kommerziell beste Termin für den Markt.“
Ralph Rieker, Vorsitzender HDS/L und Geschäftsführender Gesellschafter des Kinderschuhherstellers Ricosta, hatte sich seinerzeit sehr für den frühen GDS-Termin eingesetzt. Er sorgt sich jetzt um die Einigkeit der Branche – und um die Zukunft der Messe: „Mein Wunsch wäre es, wenn sich alle Beteiligten dem Thema einmal analytisch und ohne Emotionen nähern würden. Wir sollten eine Lösung finden, die für unsere Kunden – den Fachhandel – gut und richtig ist. Eine solche Lösung kann nur gemeinsam gefunden werden. Wir sollten uns im Zuge dessen auch überlegen, was passiert, wenn es die GDS nicht mehr gibt.“
Der österreichische Schuhhersteller Paul Green goutiert die Entscheidung der Düsseldorfer. „Die Terminverschiebung der GDS in den September begrüßen wir sehr und wir werden dann auch wieder als Aussteller mit dabei sein“, erklärt Geschäftsführer Mag. Gerald Huber auf schuhkurier-Nachfrage.
„Enttäuscht und frustriert“ zeigt man sich bei Birkenstock darüber, „dass wir mit der GDS einfach nicht vorankommen“, erklärt Unternehmenssprecher Jochen Gutzy. Die Messe an sich stehe für Birkenstock nicht zur Disposition. Wichtiger als die Diskussion über Termine aber sei es, die Messe mit einem echten Konzept und neuem Leben zu füllen. „Wir glauben nicht, das das mit einer Terminverschiebung getan ist“, so Gutzy. Aus Sicht seines Unternehmens ist die Messe mehr als eine reine Orderplattform und solle viel mehr für die Präsentation von Marken genutzt werden. Er sei verwundert, so Gutzy, dass die Branche die offensichtliche Krise der Messe so gelassen hinnimmt. Seitens Birkenstock glaube man an die GDS und sei bereit, an einer möglichen Neugestaltung konstruktiv mitzuwirken.
„Zu spät!“
Eindeutig fällt das Statement des Schuhherstellers Kennel & Schmenger gegenüber schuhkurier aus: „Prinzipiell sehen wir eine Veränderung des Termins als unausweichlich an, um einen Fortbestand der GDS zu gewährleisten. Anfang September ist aus unserer Sicht allerdings ein zu später Zeitpunkt“, heißt es in einer Erklärung von Geschäftsführer Andreas Klautzsch.
Unter Handelsvertretern herrscht derweil ein gemischtes Bild. Während einige sich überzeugt von der nun getroffenen Entscheidung zeigen, halten andere diesen Schritt für zu spät. „Es ist grundsätzlich begrüßenswert, dass sich die Messe bewegt“, so ein Marken-Repräsentant, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Dass es bis auf die Tagesfolge noch keine konkreten Daten gibt, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Auslagerung in eine andere Location ist meiner Ansicht nach ebenfalls nicht machbar. Das alles kommt zu spät. Andere Veranstaltungen werden von der Schwäche der GDS profitieren.“
Weitere Stimmen aus Handel und Industrie zum neuen GDS-Termin finden Sie hier.
Einen Kommentar zum Thema von schuhkurier-Chefredakteurin Petra Salewski können Sie hier nachlesen.