Frau Pierog, Sie sind seit Januar Vorsitzende des WMS-Arbeitskreises. Wie sieht Ihre tägliche Arbeit mit WMS aus?
Manuela Pierog: Das Thema ploppt immer mal wieder auf und ich kann das gar nicht immer so von meinen anderen Tätigkeiten trennen. Ich betreue bei der Rexor die Gruppen Passformexperten und die Rexi Kids. Somit spreche ich fast täglich mit Kinderschuhhändlern, unter anderem auch über WMS. Jetzt kommen natürlich noch Händler von anderen Verbundgruppen dazu. Außerdem versuche ich, die Gespräche mit den WMS-Lizenznehmern zu intensivieren. Darüber hinaus unterhalte ich mich mit Herstellern, die noch keine Lizenznehmer sind und habe schon positive Rückmeldungen bekommen, dass sie sich damit beschäftigen.
Welche Bedenken äußern Hersteller, die sich WMS noch nicht angeschlossen haben?
Es ist nicht so, dass sie nicht daran teilnehmen wollen. Einige müssten noch was am Leisten ändern, was ein Kostenpunkt wäre. Mehr als die Kosten ist aber eher der personelle Aufwand das relevante Thema für sie: Jemanden dafür abzustellen, der sich um das Thema kümmert, alles Nötige erledigt und dafür verantwortlich ist. Ich denke, es ist aber normal, dass diese Dinge etwas Zeit brauchen, um sich zu entwickeln. Denn die Lieferanten sind zurzeit natürlich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, wie z.B. steigenden Containerpreisen oder der richtigen Preisgestaltung zwischen der Kostenentwicklung und preissensiblen Kunden. Da kann man verstehen, dass nicht jeder sofort dabei ist. Unser Ziel ist aber, mehr Lizenzpartner hinzuzuholen. Dann ist der Topf auch größer und wir können unsere Services für den Handel günstiger anbieten.
Im Handel ist der Tenor teilweise, WMS würde auf der Stelle treten. Wie wollen Sie diesem Eindruck entgegenwirken?
Als bekannt wurde, dass ich den Vorsitz übernehme, habe ich sehr viele Nachrichten bekommen, in denen mir geschrieben wurde: Gott sei Dank. Jetzt kommt da wieder Schwung in die Sache. Ich will das Thema auf allen Ebenen bekannter machen. Und das geht am besten dadurch, miteinander zu sprechen. Da ist es von Vorteil, dass ich alle Lieferanten und viele Händler kenne. Ich bin auch auf jeder Kinderschuhmesse, um immer ansprechbar zu sein.
Was sind Ihre Ziele, die Sie mit WMS erreichen wollen?
Wir müssen besser kommunizieren, was wir alles anbieten. Wir haben dieses Jahr zum Beispiel den Pep-Talk weiterentwickelt. Das ist ein Motivations- und Informationsvortrag, der am Anfang der Verkaufssaison stattfindet und bei dem die WMS-Lizenznehmer dem Handel bzw. den Verkaufskräften die Highlights ihrer Kollektion vorstellen können. Den gab es schon letztes Jahr zweimal, aber wenn ich auf einer Messe Händler gefragt hatte, ob sie da auch dabei sind, waren die sich oft unsicher oder wussten nicht, wann der Termin genau stattfinden würde. Ich kümmere mich dann darum, dass sie einen Link erhalten und schon sind sie dabei.
Beim letzten Mal haben wir die Teilnehmerzahl fast verdoppelt. Wir arbeiten weiter daran, unsere WMS-Infos besser zu verbreiten, damit auch jeder etwas davon mitbekommt. Generell waren die Bekanntheit und der Stellenwert von WMS früher höher. Früher waren die Händler stolz darauf, den WMS-Aufkleber auf ihre Tür kleben zu dürfen. Wir müssen bei allen Gruppen – Lieferanten, Händlern, Eltern – daran arbeiten, wieder dahin zu kommen. Über unsere Seminare, über die wir Verkaufskräfte im Umgang mit WMS schulen und sie mit Diplomen zertifizieren, wollen wir die Begeisterung zur Verkäuferin bringen, damit sie das an die Eltern weitergibt. Ich habe selbst einmal an einem Seminar teilgenommen, damit ich selbst weiß, was da alles passiert. Und unsere WMS-Verantwortliche, Annette von Czarnowski, schafft es wirklich, den Funken überspringen zu lassen. Da sieht man, was für einen Stellenwert WMS haben kann. Wenn eine Verkäuferin ihr Diplom im Laden aufhängt, dann ist die da stolz drauf. Ich habe schon Rückmeldungen bekommen, dass Kolleginnen beim nächsten Mal auch gerne dabei sein würden. Für diesen Effekt war es auch wichtig, die Seminare zumindest teilweise auch wieder in Präsenz stattfinden zu lassen.
Wie will WMS die Eltern direkt ansprechen?
An die Endverbraucher müssen wir über die Sozialen Netzwerke näher rankommen. Junge Mütter, die das erste Paar Schuhe kaufen, sind teilweise so verunsichert; die wissen gar nicht, was gut oder schlecht für ihr Kind ist. Da muss man ansetzen und präsent sein, bekannter werden und ein verlässlicher Ratgeber sein. Eigentlich fängt WMS sogar schon vor der Geburt an, denn die Eltern fangen an, sich zu informieren, bevor das Kind kommt. Da muss man bei ihnen schon die Freude für Kinderschuhe wecken. Sie sollen Lust darauf bekommen, irgendwann die ersten Schuhe zu kaufen und wissen, dass die bei einem WMS-Händler garantiert die passenden Schuhe finden werden. Vor diesem Hintergrund werden wir auch die Zusammenarbeit mit Ärzten und Kindergärten wieder intensivieren. Ich denke da auch an die bereits vorhandene, sehr nützliche Broschüre WMS-Elterninfo, die wir diesen Zielgruppen zur Verteilung an die Eltern zur Verfügung stellen wollen.
Was haben Sie Neues mit WMS geplant?
Sehr involviert bin ich gerade bei der Vorbereitung zum 50. Jubiläum, welches WMS dieses Jahr am 24. und 25. November feiern wird. Da wollen wir u.a. mit Händlern diskutieren und die Lizenznehmer werden ihre Prototypen präsentieren. Ich stelle mir das in etwa ein wenig wie einen Marktplatz vor, auf dem man sich locker austauschen kann.