Die Modebranche steht aus Sicht von New-Yorker-CEO Jonas Gnauck vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Steigende Preissensibilität der Konsumenten, schneller kopierbare Trends und technologische Beschleunigung durch Künstliche Intelligenz verändern nach seiner Einschätzung zentrale Marktmechanismen. Das erläutert der Manager in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.
Gnauck sieht vor allem den wachsenden Preisdruck als Folge einer neuen Marktlogik. KI senke Kosten und beschleunige viele Prozesse – etwa bei Content, Kampagnen oder Personalisierung. Gleichzeitig werde Differenzierung schneller nivelliert.
Auch auf Konsumentenseite beobachtet Gnauck Veränderungen. Inflation, geopolitische Krisen und unsichere Zukunftserwartungen hätten das Kaufverhalten beeinflusst. Kunden entschieden selektiver, verglichen schneller und warteten häufiger auf den „richtigen Moment“.
Für New Yorker sei deshalb ein leistungsfähiges „Operating System“ entscheidend – also ein Zusammenspiel aus Prozessen, Daten, Warensteuerung und Entscheidungsrhythmus. Entscheidend seien drei Faktoren: Preis- und Produktsteuerung, Tempo sowie Bestandsdisziplin.
Trotz der zunehmenden Digitalisierung bleibt New Yorker bei seiner skeptischen Haltung gegenüber E-Commerce. Einen eigenen Onlineshop betreibt der Filialist weiterhin nicht. Der Grund ist vor allem wirtschaftlicher Natur. Im Massenmarkt sei Online häufig ein Modell mit hohen verdeckten Kosten von der Logistik über Zahlungsabwicklung, Retouren und Qualitätskontrolle. New Yorker sieht den stationären Handel als zentralen Wertschöpfungskanal.
Gleichzeitig nutzt New Yorker KI zunehmend in eigenen Prozessen. Kampagnen, etwa für neue Produktlinien, wurden bereits vollständig KI-gestützt umgesetzt. Darüber hinaus soll die Technologie vor allem bei Planung, Warensteuerung und Prozessoptimierung helfen. Wichtig sei jedoch ein verantwortungsvoller Einsatz.
Für die Zukunft setzt Gnauck vor allem auf Geschwindigkeit und bessere Daten. Mehr Echtzeit-Feedback aus den Filialen, genauere Prognosen und schnellere Entscheidungen sollen helfen, Trends schneller zu erkennen und Bestände effizienter zu steuern.