Die gute Nachricht vorweg: „In einem dynamischen Markt gibt es immer auch Chancen“, stellt Ole Schartl klar. Und dass die Schuhbranche hochgradig dynamisch ist, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Zurückgehende Konsumausgaben für Bekleidung und Schuhe, sinkende Frequenzen, gleichzeitig Flächenzuwachs und steigende Kosten für Mieten und Personal, ein immer härter werdender Preiskampf – das Szenario, dem sich Akteure der Schuhbranche ausgesetzt sehen, könnte kaum dramatischer sein. „Wir sind keine AG, wir haben keine Investoren im Hintergrund. Im Mittelstand muss jeder Eur, der investiert wird, vorher verdient werden“, so Schartl.
Am Beispiel der Vertikalen schilderte der Experte, dass systematisierte Prozesse dafür sorgen können, dass insgesamt weniger Ware im Handel ist und diese besser und bedarfsgerechter eingesteuert wird. Schlussendlich, so Schartl, sei eine solche Prozesskette deutlich stärker am Konsumenten ausgerichtet.
Zugleich mahnte Schartl an, dass Systematik und schnelle Prozesse alleine nicht reichen. Sie wirken erst in Kombination mit den drei Faktoren Regionalität, persönliche Beziehungen und Individualität.
Podiumsdiskussion: Die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt
In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten verschiedene Marktteilnehmer ihre Sicht der Dinge. ANWR-Warenvorstand Fritz Terbuyken unterstrich, dass der Fachhandel sich in Zukunft stärker mit Systemen beschäftigen muss. „80% Vororderquoten und sechs Monate Vorlauf, damit werden wir nicht mehr klarkommen“, so Terbuyken.
Für die Industrie plädierte Bernd Hummel (Kangroos, Flip Flop) für mehr Kooperation zwischen Händlern und Herstellern. „Wir müssen schneller Entscheidungen treffen können“. Er habe mit seinem Unternehmen ebenfalls eigenen Vertrieb und auch einen Online-Shop probiert, dann aber festgestellt, „dass es besser ist, wenn wir das lassen.“ Hummel forderte, künftig wieder mehr Klarheit zu schaffen und die bewährte Aufgabenstellung zwischen Handel und Industrie wieder herzustellen.
Als so genannter One Shop Owner sprach sich auch Johannes Schnütgen, Händler aus Wermelskirchen und Quick Schuh-Aufsichtsratsvorsitzender, für mehr Partnerschaft aus, mahnte aber auch Vertrauen an. Eine enge Kooperation dürfe nicht zur Folge haben, dass die Industrie die gewonnenen Informationen letztlich doch für eigene Zwecke nutze. Zudem sei er durchaus bereit, Einkaufskompetenz abzugeben, wenn das Franchise-System ihm im Gegenzug eine bessere Wareneinsteuerung bieten könnte.
Der Quick Schuh-Händler Patrick Schweizer stellte klar: „Dass zu viel Ware im Handel ist, ist mir auch bewusst. Es wäre nur schön, mir würde jemand sagen, welche Ware ich weglassen soll.“ Hierfür, so der Unternehmensberater Ole Schartl, gebe es kein Patentrezept. Jedoch könne die Analyse eines jeden Standortes wichtige Rückschlüsse auf die Sortimentsgestaltung ermöglichen – ein Element, das die Quick Schuh in Zukunft auch ausbauen will.
Quick Schuh 2020: Mit mehr System zu mehr Erfolg
Nachdem die Quick Schuh-Verantwortlichen Alfred Pusswald und Volker Gromer im vergangenen Jahr intensiv an Strategien für die Zukunft gearbeitet hatten, soll dieser Weg nun weiter beschritten werden. Man habe, so Gromer, inzwischen ein immer klareres Bild vor Augen. „Um den Nutzen für unsere Händler noch zu erhöhen, brauchen wir eine detaillierte Darstellung eines jeden Standortes.“ Alfred Pusswald unterstrich: „Wir dürfen nicht mehr im Trüben fischen.“ Mit einer zentralen Logistik-einheit sei es zudem möglich, dass volle Sortimente zu Saisonbeginn der Vergangenheit angehören.
Weitere Details zur Quick Schuh 2020-Strategie und zu den Inhalten der Podiumsdiskussion lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 26.