Feuerwerk bei Nike. Am 30. Juni setzte die Aktie des US-Sportunternehmens an der Wall Street in New York zur Rallye an. Mit einem Tagesplus in Höhe von knapp 11% war Nike Tagessieger im Dow Jones Index. Der Hintergrund: Das Unternehmen aus dem Bundesstaat Oregon hatte bärenstarke Quartalszahlen vorgelegt, die zudem noch die Erwartungen der Analysten überstiegen. Das kommt an der Börse immer gut an. Allein im vierten Quartal legte der Überschuss um 19% zu. Innerhalb von drei Monaten verdient Nike damit etwa genauso viel wie Adidas in einem ganzen Jahr. Auch mit Blick auf den Schuhumsatz hat die Marke mit dem charakteristischen ’Swoosh‘ gegenüber der ’Drei-Streifen‘-Konkurrenz aus Herzogenaurach eindeutig die Nase vorn: Während Nike rund 18 Mrd. Euro mit Sneakern umsetzt, sind es bei Adidas etwa 10 Mrd. Euro. Nike ist damit das größte Schuhunternehmen der Welt. Angesichts dieser Zahlen mag es überraschen, dass trotzdem in der Konzernzentrale in Beaverton bei weitem nicht eitel Sonnenschein herrscht.
Im Gegenteil: Erst vor wenigen Wochen hat die Führung um CEO Mark Parker die Entlassung von 1.400 Mitarbeitern beschlossen. Und gleichzeitig eine neue Strategie verabschiedet, mit der das große Ziel erreicht werden soll: 50 Mrd. Dollar Umsatz bis 2020. Dazu ist ein durchschnittliches Plus in Höhe von 13% erforderlich. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es jedoch ’nur‘ 5%. Probleme, von denen die traditionelle Schuhbranche derzeit nur träumen kann. Die Nike-Welt scheint ganz weit weg. Doch sie ist es nicht. Im Gegenteil: Nike ist einer der Lieferanten, mit denen sich die Branche aktuell besonders intensiv beschäftigen sollte. Der Sneaker-Hype ist noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen. „Getragen wird dieser Trend von der großen Nachfrage nach den globalen Sportmarken“, erklärte kürzlich Fritz Terbuyken auf dem Händlerforum der ANWR in München. Doch, so das Eingeständnis des Warenvorstands, gerade diese habe der Fachhandel bislang nicht ausreichend anbieten können. In Mainhausen hat man auf diese Erkenntnis reagiert und gemeinsam mit Nike ein so genanntes Vertikalisierungskonzept entwickelt. Die Betonung liegt dabei auf ’gemeinsam‘. Kooperationen zum Vorteil aller Beteiligten erleben bekanntlich gerade ein Comeback.
Das Motto: Zu zweit ist besser als allein bestreiten. Das gilt auch für die Riesen der Branche. Zum Aufschwung der Nike-Aktie trug nämlich wesentlich die Ankündigung einer künftigen Zusammenarbeit mit Amazon in den USA bei. Auch der größte Sportartikelhersteller der Welt kommt nicht an der neuen Bedeutung der großen Onlineplattformen vorbei – Realität in der Schuhbranche 2017.