In der Stadt werden jährlich rund eine Million Tonnen Alttextilien aus Europa, Nordamerika und Ostasien verarbeitet. Doch hinter der vermeintlich nachhaltigen Recyclingindustrie steht ein hohes Risiko für Mensch und Umwelt. Tausende Beschäftigte arbeiten in schlecht belüfteten Fabriken, wo gebrauchte Kleidung zerkleinert, zu Garn versponnen, gebleicht und gefärbt wird. In der Luft befinden sich Flusen und Mikrofasern, die tief in die Atemwege gelangen. Laut Ärzten vor Ort sind Lungenkrankheiten, Atemnot und Hautprobleme weit verbreitet. Studien belegen, dass Mikroplastikpartikel das Lungengewebe schädigen und chronische Erkrankungen wie COPD oder Asthma begünstigen können.
Neben der Luftverschmutzung stellt auch das Abwasser der Textilfärbereien ein massives Problem dar. Ein Großteil der Betriebe leitet chemisch belastetes Wasser ungeklärt in Kanäle, die in den Fluss Yamuna münden. Messungen der Umweltschutzbehörde des Bundesstaates Haryana ergaben erhöhte Schadstoffwerte und kritisch niedrige Sauerstoffkonzentrationen, wodurch ganze Gewässerabschnitte biologisch tot sind.
Offiziell gibt es in Panipat rund 400 registrierte Färbereien – doch Schätzungen zufolge arbeiten mindestens 200 weitere illegal. Gerichte haben mehrfach Stilllegungen angeordnet, doch laut Umweltorganisationen werden viele Anlagen unter neuem Namen wieder eröffnet. Die Durchsetzung von Umweltauflagen bleibt lückenhaft.
Während die Regierung Panipat als bedeutendes Zentrum des Textilrecyclings hervorhebt und sogar feiert, zeigen Berichte über unzureichenden Arbeitsschutz, Umweltbelastungen und gesundheitliche Probleme, dass die ökonomischen Vorteile des globalen Recyclingsystems mit erheblichen sozialen und ökologischen Gefahren einhergehen.