13. November, Schlüsselkundentag in Werne. Die anwesenden rund 50 Händler hören verschiedene Vorträge rund um das Thema Digitalisierung. Diskutiert werden die Fragen, welche technischen Tools Kunden künftig am Point of Sale erwarten werden, wie verschiedene Internet- Marktplätze bespielt werden können und welche Prioritäten ein Händler mit Blick auf das Internet setzen sollte. Eher en passant fällt von einem Referenten die Bemerkung, man müsse, wolle man als stationärer Schuhhändler bei digitalen Themen vorne mit dabei sein, entsprechendes Know-how ins Unternehmen holen. Also Mitarbeiter, die sich in Fragen der Digitalisierung auskennen, die internetaffin und technisch auf dem Laufenden sind und die gemeinsam mit der Geschäftsführung eine entsprechende Strategie für ein Unternehmen aufstellen und verfolgen können.
Die Nachfrage, wer das sein könnte und wo man als Schuhhändler solche Spezialisten finden kann, wird mit einem Verweis auf den neuen Ausbildungsberuf E-Commerce-Kaufmann beantwortet. Den gibt es seit Herbst dieses Jahres. Laut Handelsverband Deutschland erlernen derzeit etwa 1.000 junge Menschen diesen Beruf. Sie tun dies überwiegend bei Versand- und Onlinehändlern – und werden dort aller Voraussicht nach im Anschluss an die Ausbildung auch bleiben. Das Thema Personal ist für viele Schuhhändler ohnehin frustrierend. Kompetente und motivierte Verkaufsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu finden, das gehört für etliche Unternehmer zu den ganz großen Problemfeldern. Fast unlösbar scheint daher die Aufgabe, auch noch Menschen ins Unternehmen zu holen, die im Internet ’zuhause‘ sind. Es scheitert schlicht an der Verfügbarkeit solcher Mitarbeiter. Der Markt ist praktisch leer gefegt. Hier bedarf es dringend weiterer Optimierungen – auch wenn der neue Beruf des E-Commerce- Kaufmanns schon als Meilenstein gefeiert wird. Darüber hinaus hat für viele Händler auch die finanzielle Frage einiges Gewicht. Einen ’Techi‘ muss man sich leisten können. Daher springen viele Unternehmer der Schuhbranche selbst in die Bresche und arbeiten sich bis ins kleinste Detail in den Themenkomplex der Digitalisierung ein. Oder es werden aus dem bestehenden Team so gut es geht Kräfte mobilisiert, die sich damit beschäftigen.
Der Aufwand, der heute betrieben werden muss, um die Standorte zu pflegen, die aktuelle Saison zu organisieren, die kommenden zu planen und zugleich mit Ware auf verschiedenen Internet-Plattformen zu jonglieren, Social Media Kanäle zu bespielen und die Website zu pflegen, ist enorm. „Was haben wir eigentlich früher den ganzen Tag gemacht?“, fragte ein Händler am Rande des Schlüsselkundentags. ’Früher‘, das ist schon lange vorbei.