Es gibt viele Menschen, die Schuhe lieben. Auf deren Pflege erstreckt sich ihre Passion jedoch eher selten. Bei Thomas Ganick ist das anders: Er ist Schuhputzer aus Leidenschaft. „Ich liebe Schuhe, und ich liebe meinen Beruf“, sagt der gebürtige Berliner, der seiner Profession nach drei Jahren in seiner Heimatstadt nun seit 2007 in Frankfurt am Main nachgeht. Dabei war der Schuhpflege-Job zunächst nur als Übergangslösung gedacht. „Ursprünglich wollte ich nämlich Tatortreiniger werden“, erzählt der findige Unternehmer. Doch dann hat er einen Zeitungsartikel über einen Schuhputzer gelesen – und irgendetwas daran hat ihn elektrisiert. Schnell hat er sich umfassend über die Dienstleistung, die es damals in Deutschland als Beruf noch gar nicht gab, informiert – und „dann habe ich mir kurzentschlossen meinen ersten Schuhputzstuhl bauen lassen, den ich überall hin transportieren kann“. Inzwischen besitzt er drei verschiedene dieser imposanten Möbelstücke, auf denen Kunde oder Kundin geradezu majestätisch in erhöhter Position thront, während der Schuhputzer seinen Platz mittig davor und buchstäblich zu seinen oder ihren Füßen hat. „Dieser Platz ist meine Bühne“, sagt Thomas Ganick. Er ist nämlich nicht nur Schuhputzer, sondern auch eine Art Entertainer in Sachen Schuhe und Schuhpflege. „Ich quatsche halt gern“, erklärt Ganick. Dann lassen wir ihn doch am besten selbst zu Wort kommen! Welche Schuhe sind ihm die liebsten? „Pferdelederschuhe!“ Warum? „Dieses Material kommt durch die richtige Pflege ganz besonders gut zur Geltung.“ Welche Rolle spielt die richtige Schuhbürste? „Einige große, gute Bürsten sind das Wichtigste!“ Zuerst entfernt er mit einer Sisal- oder Kokosbürste den Schmutz, dann folgt die Grobpoliltur mit Rosshaar, dann die Feinpolitur mit einer Yak- oder Kaschmirbürste. Einen feinen Pinsel benutzt er auch, „um zarte Risse im Leder auszubessern“. Auf welche Art Schuhc eme schwört er? „Ich benutze fast ausschließlich Wachs , die für 90% aller Schuh funktionier , selbst für Damenschuhe“, weiß Ganick. Er trägt da Produkt übrigens nicht mit Bürste oder Tuch, sondern mit d m Finger auf. „Der eige e Finger ist durch nichts zu toppen, denn durch die Hauttemperatur von 37° at das Wachs sofort die ideale Konsist nz.“ A ßerdem br uche man dann nur ei e ganz kleine Menge davon. Wichti sei allerdings, d man die passene Farbe wähle, denn „b i einem far los n Produkt besteht ie G fahr, dass das Leder milchig wird“. Gilt das auch für Imprägnierungssprays? „Unbedingt, auch Schutzspray sollten farblich p ssen“, empfie lt er. Manchmal mischt er sich die perfekte Nuance aus v rschiedenen Tönen selbst zurecht. „Es ist schade, dsfür Rauleder fa t ausschließlich klassische Farben wie Schwarz, Braun, vi lleicht och Dunk lbla und an onst n nur Farblos angebote werden“, sagt Ganick, „in der Praxis braucht man nämlich ine deutlich größere Farbpal tte.“ Wie oft sollte man seine Schuhe eigentlich putzen? „Bei normaler Beanspruchung alle drei bis vier Woche .“ Und wenn man sei en hochwertig Herrenschuhen mal etwas besonders Gutes tun wil ? „Dann empfehle ich eine Wasserpolitur per Hand.“ Danach spiegele das Leder so, dass „man sich darin sehen kann“.
Sneaker boomen
Sein Wissen gibt er gern weiter, während er seinen Kundinnen die Schuhe putzt. „In den Gesprächen, die ich dabei führe, habe ich schon regelrechte Erziehungsarbeit geleistet“, lacht Ganick. Aber auch in professionelle Schul ge verrät Tricks. Für seine Einsätze als Schuhputzer wird er von Unternehmen wie Banken, Verlagen oder Anwaltskanzleien, Privat- und Herrenrunden der von Einzelhändlern wie Manufactum gebucht, aber auch auf großen Veranstaltungen, wie etwa Ärztekongressen, ist er anzutreffen. Im Frankfurter Stadtgebiet ist er per Late -Bike zu seinen Engagements unterwegs, „damit fahre ich vor jede Haustür“. Grundsätzlich aber kann man ihn bundesweit und auch fürs Ausland buchen; gerade war er mit seinem Schuhputzstuhl auf einer Automesse in Luzern. Für solch Engagements berechnet er einen Tagessatz von 800€, gegebenenfalls kommen Hotel und Mietwagen hinzu. In seinem Sachsenhäuser Hinterhof besuchen ihn aber auch viele Privatleute. Für Reparaturen kooperiert er mit zwei Schuhmaschinen, mit neuer Sohle und dem erneuerten, besonders weichen, dicken Fers npolst r sieht sie aus wie gerade gekauft. „Sneaker boomen nach wie vor“, sagt Ganick, „die Leute geben sehr viel Geld dafür aus“. Er hatte schon 1.800€ teurer Sneaker in der Hand, „das war ein Special Edition“; und einmal sagte ein Kunde, er bringe mir zunächst die Hälfte seiner Sneaker – „und dann stand er mit 47 Paar vor der Tür“. Oft kommen die Aufträge per Post, auch von großen Unternehmen, einig sind schon seit über acht Jahren Ganicks Kunden. Manchmal schicken ihm Einzelhändler Schuhe, die lange im Fenster oder der Dekoration standen. Gerade trifft ein großes Paket mit Sicherheitsschuhen von Saisonkräften ein. „Sie werden gewaschen und gedämpft, kommen in den Ozongenerator und erhalten neue Innensohlen und Senkel“, sagt Thomas Ganick, „dann können sie wieder von neuen Aushilfen getragen werden.“ Auch groß Aufträge sind nach spätesten drei Tagen erledigt. „Am liebsten sind mir Aufträge mit 30, 40 oder 50 Paaren“, sagt Ganick. Und was liebt er generell am meisten an seinem Beruf? „Dass man den Leuten eine Freude macht und nie Schlechtes hört“, sagt Thomas Ganick. „Jeder, dem man die Schuhe putzt, freut sich darüber.“