Der erste Taktgeber für die neue Orderrunde, die Expo Riva Schuh, liegt hinter uns. Der Handel sichtete die ersten Entwicklungen der Lieferanten für die neue Saison. Die Hersteller ihrerseits suchten das Gespräch mit den Einkäufern, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin sich die modischen Tendenzen entwickeln werden. Darüber hinaus standen die aktuellen Branchen-Nachrichten im Mittelpunkt der Gespräche. Und obwohl die prachtvolle Landschaft um den Gardasee, der strahlend blaue Himmel und womöglich auch die erhebliche Entfernung von Daheim eine gewisse Milde in der Beurteilung der Situation mit sich brachten, war auf der Expo Riva Schuh spürbar, dass aktuell eine ganze Branche um Fassung ringt.
Die nächsten Monate werden sich für viele Marktteilnehmer anfühlen wie eine Moorwanderung im Nebel. Es wird schwer sein, sich zu orientieren und die richtige Richtung einzuhalten. Sehr groß ist die Gefahr, eine falsche Entscheidung zu treffen – einen falschen Schritt zu tun – und im schlimmsten Fall zu versinken. Und womöglich erweist sich die zündende neue Idee als Irrlicht, das nur noch weiter in den Sumpf führt. Die Angst sitzt tief. Die Verunsicherung ist groß. Trotzdem entsteht nach wie vor der Eindruck, dass viele sich lieber wegducken und der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken. Lieber über Allgemeinplätze diskutieren, über die Schwierigkeiten oder das Scheitern der Anderen – oder über das neueste Gerücht. Es ist schließlich eine Sache, über die Schwierigkeiten anderer Marktteilnehmer zu diskutieren und ein Urteil darüber zu fällen, welche Fehlentscheidungen diesen vorangegangen sein dürften. Eine ganz andere und ungleich schwieriger ist es, die eigene Situation, die anstehenden Aufgaben, die brennenden Fragen ehrlich anzusprechen. Vielleicht erklärt sich so die Einschätzung eines Marktteilnehmers, dass zwar seit Jahren dieselben Themen diskutiert werden, dass aber nach wie vor nicht wirklich miteinander geredet wird. Wenn das bislang nicht erfolgt ist – dann muss jetzt sofort damit begonnen werden. Denn während man in den zurückliegenden Jahren manches noch aussitzen konnte, ist jetzt dafür keine Zeit mehr.
’Wir sollten…‘, ’Man müsste…‘, ’Wir könnten…‘ – so fangen Sätze an, die vielleicht gute Ideen enthalten, aber leider keine Lösung. Und die daher ohne Ergebnis bleiben. Das kann sich heute keiner mehr leisten. Als Alternative bietet sich daher an: ’Wir wollen.‘ Oder: ’Wir werden.‘ Damit hat sich der Nebel zwar noch nicht aufgelöst. Aber es erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weg gefunden wird. Und das man diesen mit sicherem Schritt gehen kann. Damit wäre schon viel erreicht.