In Mailand kann man den Ansatz der Marke, die maßgeblich von Co-Founder und Chief Commercial Office (CCO) Andrea Rossi geleitet wird, sehr deutlich erleben. Der gerade neu eröffnete Showroom im Stadtteil Porta Romana im historischen Zentrum von Mailand trägt den programmatischen Titel „Paradise“. Er dient der Marke neben den Kollektionspräsentationen als temporäre Galerie, Concept Store, Bookshop und fluide Event-Fläche. Der multidisziplinäre Ausstellungsraum spielt eine zentrale Rolle in der Markenkommunikation und soll Dialoge zwischen Design und Kunst stiften. Vom „Paradise“ aus spannt Marsèll das eigene Netzwerk zahlreicher Kooperationen. Zuletzt zeigte der deutsche Künstler Carsten Nicolai hier zur Mi-Art und der Milan Design Week im Frühjahr seine Installation „Transmitter/Receiver“. Kurz zuvor war noch eine Einzelausstellung des Modekritikers und Illustrators Angelo Flaccavento zu sehen.
Während der Männermodewoche im Juni hatte Marsèll zwei Modelle für die Schau des deutsch-kroatischen Designers Damir Doma maßgeschneidert. Außerdem waren die Schuhe bei den Schauen von Federico Cina und dem indischen Designer Dhruv Kapoor zu sehen. Auf den Messen in London und Paris hat die Marke ihre gefestigten Partnerschaften mit dem britischen Designer Daniel Fletcher und der japanischen Marke Taak unterstrichen. 2021 war eine Sandalen-Kapsel mit Suicoke herausgekommen, die auch im Concept Store von Andreas Murkudis in Berlin zu sehen war.
Auf dem deutschen Markt will Marsèll weiter vorankommen. Allein 2021 lag die Wachstumsrate laut dem Unternehmen bei 77%. Wholesale-Partner hierzulande sind u.a. Andreas Murkudis in Berlin, Cultizm in Münster, Ezati in Heidelberg, Frida in Frankfurt, Milian in Düsseldorf und Horst Wanschura in Stuttgart sowie Atelier in Köln. In diesem Bereich will Andrea Rossi das Wachstum weiter forcieren, wie er gegenüber schuhkurier erklärt. Die Rentabilität des Unternehmens habe sich trotz eines schwierigen globalen Marktumfelds und der Erhöhung der Stückkosten fast aller Produktionsfaktoren, zuletzt deutlich verbessert. Die Umsätze 2022 lagen insgesamt bei 16,5 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA stieg von 1,1 auf 1,7 Mio. Euro, von 7,7% auf 10,4%. Der Gewinn vor Steuern lag bei 1,4 Mio. Euro.
Auf der Agenda steht für CCO Rossi für dieses und nächstes Jahr der Ausbau aller Vertriebskanäle – Wholesale, E-Commerce und eigener Retail. Fünf eigene Stores will er in den für Marsèll wichtigsten Märkten eröffnen. Neben Europa liegen die vor allem in Asien und dem Nahen Osten. Wo und wann genau wo eröffnet wird, verrät Rossi aber nicht. Geld für die Vorhaben bekommt der Mutterkonzern Eurasia S.r.l. zum Großteil von der Holding- und Investmentgesellschaft Arad. Auch für den ersten Flagshipstore des Labels, der 2024 in Mailänder Via della Spiga eröffnen soll. Die neue Dependance, die bisher Porsche Design angemietet hatte, wird 400 qm umfassen.
In die Hände spielt Marsèll bei der Unternehmensentwicklung auch der Hype um den Quiet-Luxury-Trend, als dessen Botschafter sich die Schuhmanufaktur sieht. Die Preislagen rangieren generell zwischen 450 und 1.500 Euro. Für Frühjahr/Sommer 2024 wurde jüngst die Kollektion „Origini e Destino“ vorgestellt. Die Kollektion umfasst verschiedene Serie, die die eigene Manufaktur-Philosophie zwischen Handwerkskunst und Dekonstruktion zum Ausdruck bringen soll.