„Räumungsverkauf! Geschäftsaufgabe! Alles muss raus!“ So bewirbt der norddeutsche Händler Schuhplus aktuell Rabattaktionen an seinen beiden Standorten in Dörverden und Sedelsberg. Ende des Jahres werden die beiden Geschäfte schließen. „Wir blicken auf eine tolle Zeit zurück. Für uns ist nun der Moment gekommen, zu sagen: Man geht, wenn es gut ist“, so erklärt Schuhplus-Geschäftsführer Kay Zimmer gegenüber schuhkurier den Schritt. Und ergänzt: Die Umstände im Markt würden schwieriger. Nicht alle Marken seien heute für den Schuhhandel verfügbar. Auch durch Lizenzwechsel bei Marken seien des Öfteren Übergrößen weggefallen und es sei zu teils erheblichen Preissteigerungen gekommen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe man im vergangenen Jahr zwei Eigenmarken, Mavins und Lady Pepp, lanciert.
Hinzu kam: Das Gebäude der Firmenzentrale in Dörverden wurde bereits vor zwei Jahren verkauft. Dort will der neue Eigentümer einen ganz neuen Gebäudekomplex errichten. Um ein neues Headquarter aufzubauen, müsse man jetzt große Summen investieren, so Kay Zimmer. Wenn das Vorhaben dann schließlich realisiert würde, wäre er Mitte 50 – „und es stellt sich die Frage, ob man sich ein solches Projekt dann noch zutraut.“
Derzeit laufen laut dem Geschäftsführer Gespräche mit Interessenten, um die Marke Schuhplus mit den Eigenmarken Lady Pepp und Mavins in neue Hände zu geben. „Wir werden einen Weg finden, dass Schuhplus als Onlinemarke weiter besteht“, ist der Unternehmer überzeugt. Man wolle einen sauberen und ordentlichen Übergang. Für die elf Beschäftigten habe man sozialverträgliche Lösungen gefunden, betont Kay Zimmer. Die betreffenden Lieferanten seien über die Entscheidung, Schuhplus zu schließen, informiert worden.
Für die Herbst/Winter-Saison sei noch geordert worden; das Warenlager sei gut gefüllt. Mit kräftigen Rabatten können sich Kundinnen und Kunden in den beiden Geschäften mit Schuhen in Übergrößen eindecken. Der Standort in Dörverden hat eine Verkaufsfläche von 1.100 qm. Das Geschäft in Sedelsberg am C-Port Saterland bietet Schuhe auf einer Fläche von 800 qm.
Schuhplus war im Jahr 2004 gegründet worden – mit einer Verkaufsfläche von 12 Quadratmetern. Basis des Geschäftsmodells waren zunächst stationärer Handel sowie schon sehr früh ein Onlineshop für Schuhe in Übergrößen. Damit besetzte das Team um Geschäftsführer Kay Zimmer eine Nische. Das Unternehmen wuchs schnell, auch über die Region in Norddeutschland hinaus. Mit Shopping-TV und verschiedenen Formaten auf Social-Media-Kanälen steigerte der Nischenhändler seine Reichweite. Das sollte dem Unternehmen, das im Jahr 2019 mit dem schuhkurier AWARD ausgezeichnet wurde, in der Corona-Pandemie helfen: Im Jahr 2020 konnte Schuhplus laut eigenen Angaben seinen Umsatz um 10 % steigern. Auch stationär baute Schuhplus sein Netzwerk aus. 2021 wurden zahlreiche Geschäfte in ganz Deutschland eröffnet. Die Geschäftsführung kommunizierte ambitionierte Expansionsziele. Die Standorte wurden jedoch in den folgenden Jahren sukzessive wieder geschlossen. Parallel baute das Unternehmen sein Sortiment durch Schuhe in Normalgrößen aus. Für das Jahr 2023 weist das Portal Northdata für Schuhplus eine Bilanzsumme von gut 3,9 Mio. Euro aus. Im vergangenen Jahr umfasste der Umsatz laut Kay Zimmer rund 3 Mio. Euro.
Zimmer und sein Geschäftspartner Georg Mahn haben für die Zeit nach Schuhplus bereits konkrete Pläne geschmiedet. Sie wollen ein Medienunternehmen aufbauen, das Firmen dabei unterstützt, auf Social-Media-Kanälen sichtbarer zu werden. Dabei sollen auch die Erfahrungen aus 20 Jahren Schuhplus helfen. Einige der Beschäftigten von Schuhplus werden in das neue Unternehmen übernommen.
Mehr als 14 Mio. Kontakte habe das Schuhhandelsunternehmen monatlich erreicht, so Zimmer gegenüber schuhkurier. Parallel soll die Vereinsförderung weitergehen, die Schuhplus vor Jahren begonnen hat. Am Standort Saterland, dessen Gebäude sich im Eigentum befindet, entsteht das Headquarter für das Medienunternehmen. Dort wird außerdem gerade ein TV-Studio aufgebaut. Mit dem gemeinnützigen Projekt „Trude Kuh“ sollen Vereine in Videos vorgestellt werden. Finanziert wird das Vorhaben über Werbung. Trude Kuh ist dabei nicht nur ein Name, sondern ein braun-weiß geflecktes Maskottchen, das auch als Plüschtier käuflich erworben werden kann. Es gebe bereits Hunderte Vorbestellungen, so Kay Zimmer.