Während sich der stationäre Handel an den Onlinehandel zu gewöhnen scheint, so Dieter Spiess, beschäftigten den Schuhdetailhandel die weiter steigenden Auslandseinkäufe – Stichwort Einkaufstourismus –, welche im vergangenen Jahr eine Rekordhöhe von nahezu 12 Mrd. Schweizer Franken erreicht haben.
„Mit den bisweilen übertriebenen Mietzinsen und den hohen Lohnkosten stoßen die Unternehmungen mit der teilweise gewählten, aggressiven Preispolitik bald an Grenzen der Vernunft und des Verkraftbaren. Die ersten, negativen Auswirkungen bleiben nicht aus“, sagte Dieter Spiess. Verschiedene Innenstädte seien für Handel und Gewerbe durch falsche Städteplanungen in ihrer Existenz bedroht, was zu Schliessungen führe.
Nach Ansicht des Verbandspräsidenten laufe der Schuhdetailhandel Gefahr, unter dem permanenten Druck fast alles zu versuchen. Dabei würden die Konsumenten durch Hau-Ruck-Methoden verunsichert und erhalten Eindrücke, welche sie zu einem falschen Schluss bringen. Die Rabatt-Vielfalt kenne keine Grenzen und es werde alles Erdenkliche unternommen, um den Kunden mit ’falschen‘ Signalen in das Geschäft zu locken. Gleichzeitig beklagt der Schuhhändlerverband die schlechten Margen und die damit verbundenen, niedrigen Gewinne. Als Lösung werde der Personalabbau auf den Verkaufsflächen gewählt.
Auswirkungen des starken Franken
Mit der Aufhebung des Mindestkurses des Euro durch die Schweizerische Nationalbank „erlebte die Schweizer Wirtschaft ein kleines Erdbeben“, erklärte Dieter Spiess. Das Thema Mindestkursfreigabe bewege alle – unabhängig davon, wo man in der Wertschöpfungskette stehe. Von einem Tag auf den anderen seien die Schuhe, die schon immer 10 bis 15% teurer waren als im umliegenden Ausland, nochmals um 20% im Preis gestiegen. Die Senkung der Einkaufspreise sei das eine, was nach Ansicht von Dieter Spiess dennoch bleibt, seien die hohen Fixkosten (Miete, Löhne).
Unzufriedenheit mit den veränderten Zahlungsbedingungen
Wie der Verbandspräsident berichtet, habe der Vorstand auf die einseitige Verschlechterung einiger Lieferanten bezüglich Zahlungsbedingungen mit einem Schreiben reagiert. Dabei habe er auf die langjährige Praxis hingewiesen: 10 Tage 3%, 30 Tage 2% und 60 Tage netto. Wenige davon betroffene Lieferanten hätten daraufhin Stellung bezogen. Der Vorstand hat von der Generalversammlung den Auftrag erhalten, die Zahlungsbedingungen nochmals zu diskutieren und anschliessend das Ergebnis bekannt zu geben.
Die Attraktivität beim Einkaufstourismus muss gebremst werden
Bei Einkäufen im grenznahen Ausland sei laut Dieter Spiess die Rückerstattung der jeweiligen Mehrwertsteuer aufzuheben. Dadurch werde die Mehrwertsteuer-freie Zone aufgehoben und eine Ungerechtigkeit beseitigt. Aktuell werde auf Konsumgüter weder im Ausland noch in der Schweiz Mehrwertsteuer erhoben. Diese Gesetzeslücke müsse geschlossen werden. Dazu werde auf Initiative von Schuhschweiz und Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gewerbeverband sgv eine Motion vorbereitet, welche dem Eidgenössischen Parlament eingereicht werden soll.