War das der Tiefpunkt? Kann es für den Handel noch schlimmer kommen als in den vergangenen Wochen? Wann geht es mal wieder aufwärts mit den Umsätzen? Am nächsten Samstag? Nächsten Monat? Oder erst im neuen Jahr? Das Szenario ist bedrohlich, verlässliche Prognosen sind Mangelware. Die letzten Monate haben deutlich gezeigt, dass alles möglich ist. Wintereinbruch im März, Sommer bis Ende Oktober und auch zwischendrin nur wenige Lichtblicke. Nichts passt zusammen in diesem Jahr 2018, das sich wahrlich zum ’annus horribilis‘ für den deutschen Schuhhandel entwickelt.
Rückblick: Im März nahm das Elend seinen Anfang. Bei klirrender Kälte fiel der Start in die Frühjahr/Sommer-Saison aus. Die Umsätze verharrten wie festgefroren im Keller. Allerdings wurde damals noch in vielen Gesprächen die Parole ’Ruhe bewahren‘ ausgegeben. Noch sei schließlich nichts verloren. Im weiteren Jahresverlauf könne das Minus wieder aufgeholt werden. Nur eines, so hieß es, dürfe nicht geschehen: Auf einen katastrophalen März dürfe kein ’Schwarzer Oktober‘ folgen… Nun ist genau das eingetreten. Auch der Auftakt der Herbst/Winter-Saison ist in die Hose gegangen. Nach dem wichtigen März ist damit auch der umsatzstärkste Monat verloren. Spätestens jetzt hat sich das Wetter im Jahr 2018 endgültig das Prädikat ’historisch‘ verdient.
Die Folgen kennt der Handel nur zu gut. Leere Innenstädte, leere Geschäfte, leere Kassen. Für sämtliche Oktober-Dekaden meldete die repräsentative ERIX-Marktdatenbank einen Rückgang der Umsätze. Zwar pendelte das Minus zwischen 2,5% und 4% und damit auf den ersten Blick noch im erträglichen Bereich. Richtig bitter wird die Bilanz jedoch mit Blick auf die Vorgabe aus dem Vorjahresmonat. In den Oktober-Dekaden 2017 waren die Erlöse nämlich bereits um 19%, 28% und 17% abgestürzt. Dabei geht gemäß einer alten Händlerweisheit doch eigentlich nichts über ein schlechtes Vorjahr… Doch 2018 ist nichts so, wie es eigentlich sein sollte.
Der Weg durch das Tal der Tränen ist in diesem Jahr besonders mühsam und qualvoll. Und lang. Dennoch kann der Weg niemals zurück, sondern nur vorwärts führen. Das ist alternativlos. Ebenso wichtig wie die verbleibenden Wochen wird es sein, die Lehren aus diesem besonders schrecklichen Jahr zu ziehen. In der Planung für 2019 dürfte vor allem eine weiter gesteigerte Flexibilität ganz oben auf der Agenda stehen. Wenn langjährige Gewissheiten zunehmend ins Rutschen geraten, kommt es künftig mehr denn je auf Reaktionsfähigkeit und -vermögen an. Sollten Handel und Industrie hier im Verbund Fortschritte erzielen, hätte 2018 der Branche doch noch etwas Gutes gebracht.