Laut Greenpeace ließ das Bremer Umweltinstitut im Januar 2026 erneut Produkte untersuchen, die auf der Plattform von Shein angeboten wurden. Insgesamt wurden 31 Kleidungsstücke getestet. In 25 Fällen lagen die gemessenen Werte für bestimmte Chemikalien über den Grenzwerten der europäischen Chemikalienverordnung REACH Regulation. Dabei handelte es sich laut Greenpeace um identische oder sehr ähnliche Produkte wie bei einer früheren Untersuchung im November 2025. Damals hatte die Organisation bereits mehrere Artikel identifiziert, die mit problematischen Stoffen belastet waren. Shein erklärte anschließend, die betroffenen Produkte weltweit aus dem Sortiment zu entfernen. Nach Angaben von Greenpeace wurden jedoch häufig nur die konkret beanstandeten Produktnummern entfernt. Ähnliche oder nahezu identische Artikel seien weiterhin über die Plattform erhältlich gewesen.
In den Untersuchungen fanden die Labore unter anderem PFAS – eine Gruppe langlebiger Industriechemikalien, die wegen ihrer schwer abbaubaren Eigenschaften häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. PFAS werden beispielsweise eingesetzt, um Textilien wasser- oder schmutzabweisend zu machen. Bereits eine frühere Greenpeace-Analyse von 56 Kleidungsstücken hatte ergeben, dass 18 Produkte die EU-Grenzwerte für gefährliche Chemikalien überschritten. Neben PFAS wurden auch Phthalate (Weichmacher) sowie in einzelnen Fällen Schwermetalle wie Blei oder Cadmium nachgewiesen.
Greenpeace kritisiert zudem das Marktplatzmodell von Shein. Da viele Produkte direkt von externen Händlern an Kundinnen und Kunden in der EU geliefert werden, gelten Käufer rechtlich häufig als Importierende und tragen damit teilweise selbst Verantwortung für die Einhaltung der EU-Vorschriften.
Die Organisation fordert daher strengere Regulierung digitaler Plattformen sowie weitergehende Beschränkungen für PFAS in Textilien. „Shein ignoriert unsere Warnungen sowie gesetzliche Grenzwerte und nimmt Schäden für Mensch und Umwelt billigend in Kauf“, erklärte Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace. Und weiter: „Shein steht für ein krankes System aus Überangebot, Profitgier und der Vermüllung der Welt. Der Fast-Fashion-Gigant überschwemmt die Welt mit minderwertiger Kleidung, die trotz gegenteiliger Versprechen von Shein oft mit Chemikalien belastet ist.“