Einen grundsätzlichen Rückgang des Sneakers, wie von einigen prophezeit, sieht Marc Scheiner nicht. „Der Wettbewerb um den Sneaker ist einfach härter geworden. Es ist zu viel Ware im Markt – dadurch gerät der Preis stark unter Druck. Der Sneaker Speciality Handel braucht mehr exklusive Produkte, die nicht im Wettbewerb zu großen, preisgetriebenen Formaten wie Zalando stehen“, so Scheiner.
Die Stimmung unter den Händlern nimmt er als deutlich gedrückt wahr. Themen wie internationale Krisen und steigende Inflationsraten belasteten das Konsumklima spürbar: „Die Leute halten ihr Geld zusammen, und das tut uns nicht gut.“ Anders als während der Corona-Pandemie fehle derzeit eine klare Perspektive: „Bei Corona wusste man als Unternehmer: Das geht irgendwann wieder vorbei, und man konnte entsprechende Hilfen in Anspruch nehmen. Im Gegensatz dazu ist aktuell nicht absehbar, wann diese ganzen Krisen ein Ende haben.“
Auch, wenn die Messe gut besucht und das Interesse vorhanden war, bleiben Preisdruck, hohe Warenbestände und eine vorsichtige Konsumstimmung also zentrale Themen. Aus Sicht von Marc Scheiner braucht es deshalb stärker kanalbezogene Strategien der Industrie. „Wer den Sneaker-/Streetwear-Bereich langfristig als wichtigen Kanal erachtet, muss Strategien entwickeln, um dem jeweiligen Kanal entsprechende Produkte kontinuierlich und in ausreichender Menge anzubieten – so, dass die Händler damit Geld verdienen können.“
Für den Handel sieht Scheiner vor allem in community-getriebenen Events und besonderen Releases Potenzial: „Die Anforderungen an solche Formate steigen – seitens der Industrie, der Händler und nicht zuletzt der Kunden. Events werden professioneller, und die Erwartungen an besondere Erlebnisse wachsen. Unsere Händler sind in der Lage, solche Formate umzusetzen. Dafür brauchen sie aber die entsprechende Unterstützung der Industrie: die richtigen Produkte, ausreichend Verfügbarkeit und die Möglichkeit, daraus am Ende auch wirtschaftlich Kapital zu schlagen.“