Motivation zum Sparen
Für diejenigen, für die das Sparen keine existentielle und materielle Notwendigkeit ist, können Einschränkungen mit unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen werden, die dann auch die Sparbereitschaft steigern können.
Insgesamt haben die Forscherinnen und Forscher sechs Bedeutungskontexte des Sparens gefunden, die die Bereitschaft sich einzuschränken erhöhen:
* „Weniger ist mehr“ soll das Leben einfacher und entschleunigter machen. Der mitunter schon in der Corona-Zeit eingeübte partielle Verzicht soll ein Baustein zu einem bewussteren Leben sein.
* Das Sparen als Ausdruck der Solidarität und deutscher Autonomie, soll einen Beitrag für den Zusammenhalt in der Gesellschaft oder Widerstand gegen Putins Angriffskrieg leisten. Vor allem die Füllung der Gasspeicher wird dabei als Gradmesser des Zusammenhalts erlebt.
* Das smarte Sparen – etwa durch den Umstieg auf Handelsmarken – ist Ausdruck der persönlichen Lebenskunst. Man ist stolz darauf, weniger Geld auszugeben, ohne dabei substantielle Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.
* Das beruhigende Sparen wird zu einer Challenge, die einem in der Krise das Gefühl gibt, stets die Kontrolle bewahren zu können. Hilfreiche Features wie ein Haushaltsbuch oder Ausgaben-Apps vermitteln Selbstwirksamkeit.
* Das spartanische Sparen, soll nach dem Vorbild der antiken Spartaner die persönliche oder gesellschaftliche Resilienz und Widerstandskraft stärken. Verzichtsleistungen oder kaltes Duschen erscheinen dabei als Akt der persönlichen Abhärtung und Krisenfestigkeit.
* Das moralische Sparen macht die persönliche Einschränkung zu einer vorbildlichen Tugend. Die eigene Sparleistung wird dabei zum stolzen Gradmesser der persönlichen Wertschätzung und Selbsterhöhung. Je mehr Sparwillige ihren Verzicht moralisch überhöhen und zu Sparwächtern mutieren, desto größer wird die Reaktanz der Trotzigen sein, die das Sparen und die Krise als Ausdruck einer fehlgeleiteten Politik betrachten.