schuhkurier: Herr Weger, Sie sind am 1. Juli die Geschäftsführung der Leder & Schuh AG angetreten. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?
Armin Weger: Ich bin sehr gut in Graz und bei der Leder & Schuh AG angekommen. Ich habe hier ein tolles Team und tolle Menschen kennengelernt. In der Vergangenheit wurde vieles richtig gemacht, auch dank meines Vorgängers Wolfgang Neussner. Mir ist es wichtig, als Neuzugang im Unternehmen zu respektieren, was bereits geleistet wurde und nicht alles radikal umzustrukturieren. Ich bin mit den Menschen, die hier arbeiten, ins Gespräch gekommen und habe gelernt, wie das Unternehmen funktioniert. So konnte ich bewusst Prioritäten setzen, die ich als Erstes angehen möchte.
Welche Prioritäten sind das?
In der Schuhbranche spürt man eine große Leidenschaft für das Produkt. Das ist etwas sehr Schönes, aber gleichzeitig ist es wichtig, die Architektur des Sortiments im Blick zu behalten: Dazu gehören die Preisarchitektur, In-Season-Management, NOS und Einkaufsprozesse. Ich komme mit vielen unserer Partner proaktiv ins persönliche Gespräch, um gemeinsam Prozesse anzupassen und Geschwindigkeit, Rohertrag und Margen zu optimieren. Die bisherigen Gespräche waren sehr konstruktiv und wir konnten einige Hersteller dafür gewinnen, noch enger mit uns zusammenzuarbeiten und Daten auszutauschen. Das ist aus meiner Sicht bereits eine Mindset-Veränderung im Vergleich zu dem, was früher in der Schuhbranche oft vorherrschte. Das zweite wichtige Thema ist Kommunikation. Wir müssen klar nach außen kommunizieren, wofür unsere Vertriebslinien stehen. Auch E-Commerce und Eigenmarken sind auf meiner Agenda.
Ab wann kann man die Umsetzung dieser neuen
Entwicklungen erwarten?
Einige Weichen haben wir bereits gestellt und erste Veränderungen werden schon in naher Zukunft sichtbar sein. Auf die Order für Frühjahr/Sommer konnte ich noch nicht eingehen, aber wir haben die Sortimentsbreite bereits gezielt reduziert und dafür die Tiefe ausgebaut. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Strukturen Schritt für Schritt weiter. Im Bereich Digitalisierung werden wir ein integriertes Planungstool implementieren. Dafür wird es im Frühjahr KI-gestütztes Replenishment geben. Parallel dazu bauen wir das performanceorientierte Einkaufscontrolling neu auf, was hoffentlich im Frühjahr/Sommer abgeschlossen sein wird, damit wir zukünftig faktenbasierter entscheiden können. Im zweiten Halbjahr planen wir, ein Demand Forecasting umzusetzen. Wichtig ist es, unseren Mitarbeitenden Tools an die Hand zu geben, damit sie aufgrund der ermittelten Daten effizienter Entscheidungen treffen können und gleichzeitig mehr Zeit für die kreative Sortimentsgestaltung haben, die heute entscheidend für die Profilierung eines Händlers sind.
Wofür sollen Humanic und Shoe4You künftig stehen?
Gerade bei der aktuellen Konsumzurückhaltung ist es wichtig, sich so aufzustellen, dass klar ist, wofür wir stehen. Wir merken, dass dies wichtig für unsere Kundinnen und Kunden ist. Bei Shoe4You, positioniert in der Einstiegspreislage, spüren wir diese Preissensibilität. Es ist ein Konzept für die ganze Familie und wir wollen alle Familienmitglieder erreichen. Humanic soll noch fokussierter werden, wir möchten hier noch stärker auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden eingehen. Am Flagship Store in Wien, den wir dieses Jahr eröffnet haben, zeigt sich schon, wie sich Humanic in Zukunft entwickeln soll, mit mehr ruhigeren Bereichen und einem klaren Premium-Anspruch. Dazu zählt natürlich auch ein hohes Maß an Fachkompetenz. Wir wollen die Marken bieten, die die Kundinnen und Kunden sich wünschen und Trends noch schneller aufnehmen. An aus-
gewählten Premium-Standorten wollen wir den Bereich Laufsport mit den entsprechenden Marken und Laufanalysen ausbauen. Ab dem kommenden Frühjahr planen wir, an rund fünf Standorten an den Start zu gehen. Darüber hinaus ist angedacht, das arrondierende Sortiment zu erweitern. Wir haben im Accessoire-Bereich in der Order für F/S 26 schon sehr viel ausbauen können, um die Gewichtung zu optimieren.