Zugegeben, die Anfahrt zur Messe erwies sich für viele als holprig: Sie mussten Umwege und Staus in Kauf nehmen, um ins neue Parkhaus und von dort auf das Gelände der Expo Riva Schuh zu gelangen. Nicht jedem machte das Spaß. Einmal in den Messehallen angekommen, entwickelte sich die 100. Veranstaltung aber so, wie die Branche sie kennt und liebt: ein bisschen chaotisch, aber durch und durch von good vibes durchdrungen.
Für viele deutsche Aussteller war schon der erste Messetag ein Erfolg. Es herrschte Gedränge in den Gängen, einige Stände waren zwischenzeitlich gar überfüllt. Der zweite Messetag verlief etwas ruhiger; für den Montag wird erneut Belebung erwartet.
Die Aussteller blicken trotz der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage und des schmerzhaften Konsolidierungsprozesses, in dem sich der Schuhhandel befindet, mit Zuversicht auf die neue Orderrunde. Zwar hält sich der Handel bei der Order zurück und die Sorge vor weiteren Insolvenzen und damit wegbrechenden Volumina dominiert die Gespräche. „Die Marktverwerfungen auch in diesem Jahr führen zu einer spürbaren Minimierung des Gesamtvolumens“, so Gabor-Produktmanager Ralf Meurer gegenüber schuhkurier. Dieser Volumenrückgang lasse sich auf dem Heimatmarkt nicht ohne weiteres ausgleichen. Andere Lösungen müssen also gefunden werden.
Auf der anderen Seite wird erwartet, dass nach einem wohl herausfordernden 2024 im nächsten Jahr die Talsohle durchschritten ist. Im übrigen, so der Tenor in vielen Gesprächen, gebe es viele Händler, die sehr sicher und erfolgreich durch die aktuell raue See steuerten. „Das ist wie mit einem Restaurant“, erklärte Dominique Hopf, der für den Schuhhersteller Rohde am Gardasee dabei ist: „Wenn der Besitzer sein Personal, das Lokal und den Speiseplan im Griff hat, dann kommen die Gäste. So verhält es sich auch im Schuhhandel. Wer es richtig macht, der macht auch in diesen Zeiten gute Geschäfte.“ Zu häufig aber werde – aus einem Sicherheitsgedanken heraus – mehr auf die Abverkaufslisten der Vorsaison geschaut als auf die neuen Trends in den Kollektionen.
Als Problem erweist sich gleichwohl die allerorten spürbare Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten. Die Lust auf neue Farben und Modelle ist hinter der Bedarfsdeckung zurückgetreten. Und diese wiederum steht in direktem Zusammenhang mit der Wetterlage. Das zeigte sich in der zu Ende gehenden H/W-Saison: Bei hochsommerlichen Temperaturen im September blieb die Herbstware wie Blei in den Regalen liegen. Selbst im Oktober waren die Menschen noch mit ihren Sommersneakern unterwegs. Der frühe Wintereinbruch Ende November kurbelte die Nachfrage nach warmen Winterschuhen dann kräftig an – aber zu kurz. Und ab Dezember versank die Nachfrage im Dauerregen.