„Dieser Abend und dieser Campus markieren einen Aufbruch. Einen Start mit mehr Energie, mit mehr Klarheit und mit mehr Drive.“ So brachte es Marketingchefin Felicitas Gutjahr am 9. Februar in Rottendorf auf den Punkt. Das Event, zu dem rund 600 Gäste gekommen waren, sollte den Impuls geben, Gewohnheiten infrage zu stellen und Neues zu wagen. Das neue House of Brands, die Homebase der Marken von S.Oliver bis Copenhagen Studios, soll nicht nur ein modernes Headquarter sein, sondern auch ein Symbol für die inhaltliche Neuausrichtung des Unternehmens. Der Campus soll künftig als zentrale Begegnungsstätte von Kreation, Produkt, Vertrieb und Kommunikation fungieren.
Gestartet wurde der Abend als sinnlich angelegtes Erlebnis: mit Musik-Acts wie Nico Santos, kulinarischen Stationen, Markeninszenierungen – und einem Programm das von der Markenvision bis hin zu KI-Einsatz und Ladenbau reichte. Und dann grüßte auch noch Heidi Klum aus Los Angeles…
Eine der zentralen Botschaften kam von Co-CEO Johannes Rellecke: „S.Oliver hat sich entschieden, zusammen mit dem Gründer Bernd Freier, die Marke wieder auf die Pole Position zu setzen.“ In diesem Jahr sollen zusätzlich 5,5 Mio. Euro in markenbildende Kommunikation investiert werden. „Wir stellen die Markenstrategie an erste Stelle – nicht die kurzfristige Umsatzrendite“, so Rellecke. Das Unternehmen will künftig auf breiter Front auf Rabattschlachten verzichten, vor allem im eigenen Onlinegeschäft. „Wir wollen raus aus der Rabatt-Spirale“, so der Co-CEO. Damit soll nicht nur die Markenwahrnehmung langfristig gestärkt, sondern auch der stationäre Handel entlastet werden. Im Sommer soll ein „Marken-Spektakel“ in Form groß angelegter Kampagnen starten. Rellecke: „Wir glauben wieder an unsere eigene Substanz – und handeln auch so.“
Auch s.Oliver-Gründer Bernd Freier trat auf: Der 80-Jährige erinnerte an frühere Versäumnisse, lobte die neue Führungsstruktur und fand klare Worte für den Zustand der Branche: „Die Schonzeit ist vorbei. Jetzt zählt, wer liefern kann – in jeder Hinsicht.“ Die Unterstützung des stationären Handels, so Freier, sei keine Floskel, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.
Matthias Eckert, Managing Director Sales, skizzierte eine Neuausrichtung im Vertrieb: Künftig soll das Verhältnis von Vororder zu Nachorder von 60:40 auf 40:60 gedreht werden. Ziel sei eine höhere Flächenrendite – unterstützt durch digitale Tools, automatisierte Ordervorschläge und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Eckert: „Wir wollen zurück zur operativen Exzellenz im Flächenmanagement.“ S.Oliver sieht sich dabei ausdrücklich als Partner des Handels: mit konkreten Maßnahmen wie Preisstabilität, kalkulierbarer Vermarktung, neuen Ladenbaukonzepten und digitaler Verkaufsunterstützung. Eckert betonte: „Wenn es dem Handel gut geht, geht es auch uns gut.“
Mit einer eigens entwickelten, KI-gestützten Markenkampagne demonstrierte S.Oliver, wie Technologie kreativ eingesetzt werden kann. Andreas Wunsch von der Agentur Jung von Matt machte klar: „KI ist kein Tool, sondern ein Partner auf Augenhöhe – wenn man sie richtig einsetzt.“ Der neue Markenfilm wurde in knapp drei Wochen umgesetzt – in einer Produktionszeit, die früher Monate gedauert hätte. S.Oliver will KI künftig in sämtliche Wertschöpfungsketten integrieren: von Kreation und Content-Produktion bis hin zu Order, Replenishment und Visual Merchandising.
Anita Beckmann, verantwortlich für Red Label, sprach über die Neupositionierung der Linien und den Wunsch nach klarerem Markenprofil: „Wir glauben an unsere Ursprünge. Casualwear ist kein Zufall, sondern Haltung.“ Auch andere Marken wie Comma, Liebeskind oder QS sollen künftig stärker differenziert und fokussiert aufgestellt werden. Julian Rellecke, Co-Founder von Copenhagen Studios und Liebeskind, betonte: „Wir bündeln Kräfte, reduzieren Komplexität – und schärfen den Blick auf das Wesentliche: gute Produkte und relevante Marken.“
Auch die Familie Freier war an diesem Abend präsent. Kathrin Freier brachte es auf den Punkt: „In einer Zeit voller Ungewissheiten braucht es Haltung, Mut und Unternehmergeist. Und genau das erleben wir hier gerade.“ Der neue Campus sei nicht nur Infrastruktur, sondern Ausdruck einer neuen Unternehmenskultur.