Ein aktueller Fall betrifft den Sonnenbrillenhersteller Oakley, mit dem es laut Medienberichten zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren zu einem Vergleich kommen soll. Oakley hatte das in Singapur ansässige Unternehmen als „Wiederholungsfälscher“ bezeichnet und ihm vorgeworfen, weiterhin Brillen zu verkaufen, die Oakley-Designs entsprächen – obwohl Shein bereits 2022 zugesagt hatte, dies zu unterlassen.
Nach Angaben der Financial Times (FT) haben mindestens zehn Unternehmen den Onlinehändler mehrfach verklagt, so dass Shein nun insgesamt mit fast 100 Urheberrechtsklagen konfrontiert sei. Shein selbst gab demnach an, intensiv in Systeme zur Aufdeckung von Urheberrechtsverletzungen in seiner Lieferkette investiert zu haben.
Auch das Thema Zwangsarbeit in Zulieferbetrieben haftet Shein an. Der Onlinehändler plant offenbar einen Börsengang in den USA. Aufgrund der Vorwürfe gegen Shein gibt es dagegen Widerstand auch seitens der Politik.
Der chinesische Fast-Fashion-Riese wurde 2008 in Nanjing von Chris Xu, einem in den USA geborenen Unternehmer und Spezialisten für Suchmaschinenoptimierung, gegründet. Shein entwickelte sich von Billigbekleidungshändler zu einem globalen Online-Modekonzern. Dessen Angebot richtet sich vor allem an junge Frauen, wobei Shein als Onlinemarktplatz fungiert, über den mehrere tausend Bekleidungsfabriken in China unter dem Label Shein Ware anbieten. Eine interne Verwaltungssoftware sammelt permanent Daten über die meistgekauften Artikel und variiert entsprechend deren Sichtbarkeit. Ständig kommen neue Produkte hinzu, die den neusten Modetrends entsprechen, aber zu extrem günstigen Preisen angeboten werden.
Die Kleidung wird zahlreichen Online- und Social Media-Kampagnen präsentiert. Im Mittelpunkt der Marketingstrategie steht die Zusammenarbeit mit zahlreichen Influencern in verschiedenen Märkten.
Der Vorwurf der Produktfälschung ist nicht neu. Sogar der schwedische Preiswertmodeanbieter H&M verklagte den chinesischen Konkurrenten bereits wegen angeblicher Kopien seiner Produkte.
Shein existiert als Modelabel bereits seit knapp 15 Jahren, wurde jedoch erst in den letzten Jahren wirklich bekannt. Vor allem durch den Auftritt auf Social Media-Kanälen konnte das chinesische Unternehmen seine Umsätze laut dem Statistik-Portal Statista allein zwischen 2021 und 2022 verdoppeln.
Im Jahr 2022 erzielte Shein demnach einen Umsatz von 30 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Umsatz damit nahezu verdoppelt und seit 2019 verzehnfacht. Shein zählt auch zu den umsatzstärksten Online-Shops im Bereich Mode in Deutschland.