Um neue Ideen so schnell wie möglich umsetzen zu können, profitiert Tudor von seinen Kontakten im Schuh-Business und hat sich mit dem Inhaber einer Fabrik in Portugal zusammengeschlossen. Dieser hat Anteile von Oswen übernommen und so profitieren beide gemeinsam von einer gut laufenden Produktion. Da viele Marken wieder mehr in Europa produzieren wollen, helfe diese Beziehung, um die Aufträge in der Fabrik nicht an größere Unternehmen zu verlieren. Die Modelle werden alle mit einer breiten Palette an Größen produziert, erklärt Tudor: „Alle Schuhe werden in den Größen 36 bis 47 angeboten und sind unisex. Füße sind geschlechtsneutral, es gibt keinen Grund, da zwischen Männern und Frauen zu unterschieden.“ Auch wenn einige Styles vermehrt Männer oder Frauen ansprechen, können alle jeden Schuh kaufen und tragen. Tendenzen bei den Vorlieben sind nach wie vor erkennbar: „Wir haben allerdings auch einige Modelle, die eher Männer oder Frauen ansprechen und sie kaufen auch sehr unterschiedlich. Wenn ein Mann anfängt, eine Marke zu mögen, ist er sehr loyal und kommt oft wieder.“ Gerade Männer seien froh, mit dem Oswen-Flagship-Store eine Boutique gefunden zu haben, bei der sie genauso viel Auswahl haben wie Frauen. Obwohl es ein Markenstore ist, gibt es im Laden Kleidung von verschiedenen nachhaltigen Modemarken und auch Schuhe von anderen Marken wie Novesta. Paul Tudor ist froh, die Stadt, in der er mittlerweile Wurzeln geschlagen hat, mit seinem Laden noch etwas vielseitiger zu machen: „Ich liebe Köln, weil hier eine offene Atmosphäre herrscht. Das Leben hier findet draußen statt. Die Menschen fahren viel Fahrrad und verbringen ihre Zeit zusammen am Kiosk.“ Oswen zeigt ein selbstbewusstes Selbstverständnis als Kölner Marke. Passend gibt es seit Ende letzten Jahres eine Marketingkampagne, bei der Plakate an den Kölner Büdchen hängen, um die Menschen in Köln da abzuholen, wo sie ihren Alltag verbringen und sich zuhause fühlen.
Außer im eigenen Laden im Belgischen Viertel und dem Online-Store verkauft Oswen Schuhe in 20 Läden in den Metropolen Europas, die alle prominent auf der Oswen-Website beworben werden. Sie alle sind schicke Boutiquen, die Auswahl ist exklusiv. Für Tudor ist es wichtig, in engem Kontakt zu den Geschäften zu stehen und dass die Läden glaubwürdig nachhaltig agieren: „Alle Läden, mit denen wir arbeiten, müssen ehrlich verantwortungsbewusst sein. Es gibt viel Greenwashing in der Industrie. Wir arbeiten eng mit den Stores zusammen und wollen ihnen auf ihrem Weg helfen.“ Die exklusiven, für sich stehenden Läden seien zurzeit das richtige Umfeld für die noch wachsende Marke. Langfristig jedoch ist auch vorgesehen, mit Filialunternehmen zusammenzuarbeiten. Schließlich müsse es das Ziel sein, dass möglichst viele Menschen verantwortungsvoll produzierte Schuhe tragen.