Günter Althaus sagt es deutlich: Die Floskeln zur Partnerschaft zwischen Handel und Industrie haben ausgedient. ’Kooperieren oder krepieren.‘ Diese Aussage lässt keinen Spielraum für Interpretationen.
04.02.2016
Helge Neumann
2 Minuten
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Rückblick. Zu Beginn des Jahres 2013 traf schuhkurier Günter Althaus zum Interview. Ein Termin mit Folgen. Wochenlang beherrschten die klaren Aussagen des Vorstandsvorsitzenden der ANWR die Gespräche in der Branche. Vor allem die Passage zu den notwendigen ’Probierflächen im Handel‘ erregte die Gemüter und sorgte für hitzige Diskussionen. Günter Althaus folgte jedoch anscheinend unbeeindruckt seiner Linie. Auf die Thesen folgten Taten – siehe Mücke.
Gegenwart. Rund drei Jahre nach dem ersten Gespräch folgte im Januar ein neuer Termin in Mainhausen. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Wo steht die Branche heute? Günter Althaus bleibt sich treu. Wieder bezieht er Stellung. Statt einem zufriedenen Rückblick auf das bisher Erreichte nutzt er die Gelegenheit für einen eindringlichen Weckruf: Die Zeit wird knapp! Die Auswirkungen des Mega-Themas Digitalisierung sind gravierend und sie betreffen alle. Amazon & Co. sorgen für massive Verwerfungen. Die richtigen Strategien dafür sind nach Überzeugung von Günter Althaus wohl gefunden, aber keineswegs umgesetzt. Viel zu lange wurden Themen wie der elektronische Datenaustausch nur halbherzig bearbeitet. Wo Aktionen gefragt waren, hagelte es Lippenbekenntnisse. Bis heute kommt die Branche daher nur in Trippelschritten voran, obwohl längst neue Themen anstehen. Althaus sagt es deutlich: Die Floskeln zur Partnerschaft zwischen Handel und Industrie haben ausgedient, es geht nun um konkrete Umsetzungen und starke Netzwerke. Jetzt. Ansonsten droht vielen Akteuren auf beiden Seiten in der nahen Zukunft das Aus. „Kooperieren oder krepieren.“ Diese Aussage lässt keinen Spielraum für Interpretationen. Typisch Althaus.
Mit seinem Vorgehen ist der ANWR-Chef schon häufig angeeckt. Weichspülrhetorik, Kuschelkurs und Branchenromantik sind nicht sein Ding. Im Auftreten durchaus charmant, bleibt er in der Sache doch stets verbindlich. Und nicht selten hart. Althaus sieht seine Aufgabe darin, Vordenker zu sein. Für die Nestwärme sind andere zuständig. Der gelernte Banker setzt auf vermeintlich kalte Themen: Zahlen und nicht Schuhe stehen im Vordergrund. Mit diesem Ansatz mag er aus der Perspektive des Einzelnen unbequem sein. Auch in den eigenen Reihen gibt es nicht nur bedingungslose Fans des Vorstandsvorsitzenden, der mit seinem Tempo auch die Genossen stark herausfordert – Überforderung nicht ausgeschlossen.
Aus Sicht der gesamten Branche bleibt Günter Althaus jedoch ein Gewinn. Wer den Finger in die Wunde legt, verursacht Schmerzen. Zugleich ist es wichtig und richtig, ein Bewusstsein für die Baustellen der Branche zu schaffen. Und letztlich dürfte die Strategie der Veränderung weiter tragen als das Beharren auf den Strukturen von gestern. schuhkurier Ausgabe 05/2016