Im Obstkorb inszenierte der französische Sneakerhersteller Moea seine neue Kollektion auf der Mainhausener Sneakermesse Meetnbuy im vergangenen November. In bunten Körben lagen die weißen Sneaker mit klassischer Optik und Details in kräftigen Farben. Dekoriert wurden die Körbe mit Äpfeln, Ananassen und Schildern. „Sneakers made from Apple“ oder „Sneakers made from Corn“ stand wie mit Kreide auf den Schildern geschrieben, die an die Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt erinnern. Darunter eine Zusammensetzung des Materials, aus dem der jeweilige Schuh gefertigt ist. Meist besteht ein Teil aus der Schale
oder den Blättern eines Obsts oder eines Gemüses gemischt mit Kunststoff. Am Stand hängt ein Plakat in der Optik alter Werbung des Unternehmens Apple mit dem Schriftzug „Made from Apple, not by Apple“.
Mit ähnlichen Schildern als Präsentationskonzept können auch Händlerinnen und Händler die Schuhe von Moea ordern, sie bringen die Idee der Marke präzise und anschaulich auf den Punkt. Die Schuhe bestehen aus einer Lederalternative auf Basis von pflanzlichen Stoffen wie Apfelschalen, Ananasblättern oder nicht essbarem Mais. Insofern ist das Bild vom Sneaker aus dem Obstkorb nicht ganz richtig – und darauf bestehen die Protagonisten hinter der Marke: „Uns ist wichtig, für unsere Schuhe nichts zu verwenden, was auch gegessen werden könnte und wovon jemand satt werden könnte. Wir verwenden pflanzliche Abfallprodukte wie Ananasblätter oder nicht-nutzbare Reste aus der Weinproduktion“, stellt CEO und Gründer Achille Gazagnes klar, der 2018 zum ersten Mal auf pflanzliche Lederalternativen gestoßen ist. „Ich habe für einen anderen Schuhhersteller gearbeitet und habe schon darüber nachgedacht, eine Schuhmarke für vegane Schuhe zu gründen. Auf der Pariser Messe Première Vision haben ich nach veganen Lederalternativen gesucht. Ich kannte nur Lederalternativen aus PU und fand den kleinen Stand des Unternehmens Frumat, das mit Apfelschalen arbeitete.“ Das Problem: Das Material wurde zu dem Zeitpunkt noch nicht für Schuhe genutzt: „Aus dem Material wurden vorher fast ausschließlich Handtaschen produziert, die nicht so flexibel und haltbar sein müssen wie Schuhe. Wir haben gemeinsam an der Zusammensetzung des Materials arbeiten müssen, damit es für Schuhe funktioniert. Bei unserem ersten Entwurf einer stabilen Mischung hatten wir einen Apfelanteil von 15%. Das war uns zu wenig und wir haben experimentiert, um den Anteil immer weiter zu erhöhen.“ Der Kunststoffanteil besteht aus recyceltem Plastik, wiederverwertet aus Autoteilen.
Auf die Apfelhaut folgten Mischungen mit Mais, Ananas und Weintraube. Als Innovationen für das neue Jahr kündigte Moea bereits ein Mango-basiertes Material an, außerdem ein Mesh-Material aus Bambus für einen sportiveren Style. Jedem Material ist eine Farbe zugewiesen, die auf dem Schuh Verwendung findet, um anschaulich darzustellen, welches Material verwendet wurde, und um die meist weißen Sneaker modisch aufzupeppen. An einer Seite steht an den Schuhen in zurückhaltender Schriftart ein manifestartiger Text, der klar machen soll, wofür das Unternehmen Moea stehen möchte: „Moea sneakers brand: attempt to rethink the way we produce fashion goods in the respect of Mother Earth.“ Daher stammt auch der Markenname Moea als Kurzform für Mother Earth.