Jeder sollte einen Gegenstand mitbringen, der für die Zukunft steht. Der ANWR-Vorstandsvorsitzende präsentierte ein Modell des Ordercenters O1 als Zeitkapsel. Darin soll in den nächsten Tagen ein Schriftstück eingeschlossen werden, auf dem Schuffelen den Schuhhandel der Zukunft beschreibt. In zehn Jahren kann die Zeitkapsel dann wieder geöffnet werden. Martina Novotny warb für einen Bestseller des österreichischen Autors Wolf Haas: „Das Wetter vor 15 Jahren“. Es war der erste Liebesroman des Krimi-Spezialisten und ist für Novotny Sinnbild für den Mut, Neues zu wagen. Tobias Eichmeier brachte das erste Iphone – 17 Jahre alt – und ein hölzernes Herz mit. Das eine steht für die Digitalisierung, das andere für das persönliche Einkaufserlebnis. Mit drei Säulen – „Wir denken den Einzelhandel neu“, „Wir vertiefen Kooperationen“ und „Wir handeln nachhaltig“ – will sich die ANWR zu einer „Möglichmacher-Organisation“ weiterentwickeln und damit auch den Handel erfolgreich machen.
„Wir denken Einzelhandel neu“
Bei diesem Komplex soll es laut Tobias Eichmeier konkrete Handlungsempfehlungen für den Handel geben, von der Technologie, die Einkaufserlebnisse schaffen kann, über Seamless Commerce bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und innovativem Handelsmarketing. Das geht nicht ohne Daten – das Schwerpunktthema von Martina Novotny. Dies sei zwar „eher trocken, aber außerordentlich wichtig“. Die ANWR wolle das Thema bearbeiten, um „das Beste herauszuholen“ und es den Händlern in der Umsetzung einfacher zu machen. Zudem dürfe der Komplex Daten nicht beim Händler enden, sondern müsse auch den Endverbraucher einbeziehen – „das ist die letzte Meile“. Beim E-Commerce hat die ANWR laut Martina Novotny noch Verbesserungspotenzial. Derzeit werde mit Blick auf die Plattform schuhe.de an einem Geschäftsmodell gearbeitet, „das allen Stakeholdern Spaß macht, sprich den Händlern, aber auch uns als Dienstleistern“.
„Wir vertiefen Kooperationen“
„Wir haben die Kooperationsbereitschaft im Blut“, betonte Frank Schuffelen. Man werde in den nächsten Jahren eine Weiterentwicklung im Bereich der Kooperationen unter Verbundgruppen sehen. Nicht jede Gruppe könne und müsse alles machen. Daher gehe es darum, „strategische Partnerschaften zu knüpfen und die Beziehungsqualität zu verbessern“. So könne das Geschäftsmodell der Zentralregulierung auf weitere Branchen ausgeweitet werden. Zudem könnten Steuerungselemente wie Brand Cockpit oder Handelscockpit als Whitelabel-Produkte anderen Branchen angeboten werden. Auch ein kuratiertes Angebot von C-Artikeln (Tankkarten, Verträge mit der Automobilindustrie, Ladenbau, Fahrradleasing) könnte anderen Verbundgruppen unterbreitet werden, damit diese ihre Händler weiterentwickeln können. Eine Fusion zwischen ANWR und Intersport/ SABU steht jedoch laut Schuffelen nicht ganz oben auf der To-Do-Liste: „Früher gab es drei Möglichkeiten: Freund, Feind, Fusion. Ich würde eine vierte hinzufügen: Fokus. Das heißt auch Leistungsfähigkeit. Und das geht nicht zwingend nur mit einer Fusion. Vielmehr kann man über Zusammenarbeiten nachdenken, ohne dass man ein Unternehmen aufgibt.“ Schuffelen ergänzte: „Es ist nicht so, dass, nur weil ich mich mit Intersport oder SABU unterhalte, eine Fusion im Raum steht.“ Stichwort SABU: Im vergangenen Jahr gab es die Ankündigung gemeinsamer Messen beider Verbundgruppen, das aber zunächst zurückgestellt wurde. Jedoch habe es positive Resonanz auf die Idee einer frühen Auftaktmesse gegeben, erläuterte Tobias Eichmeier. Man habe eine Diskussion angeregt und wolle das Thema weiter begleiten. Ohnehin seien alle Messen in Mainhausen und Heilbronn für alle Händler geöffnet. Eine Zusammenarbeit mit der Heilbronner Verbundgruppe wurde inzwischen im Bereich Mitarbeiterqualifizierung angeschoben: Die digitale Wissenswelt ist für die Händler beider Gruppen nutzbar. Die ANWR-Händler können das Angebot ein Jahr lang kostenlos wahrnehmen.
„Wir handeln nachhaltig“
Nachhaltigkeit, das bedeutet für Frank Schuffelen auch „Enkelfähigkeit“: Es geht um die Frage, welchen Planeten man den Kindern und Enkeln hinterlasse – mit Blick auf Ökologie, Soziales und Ökonomie. Die vereinbarten Klimaziele einzuhalten und den CO2-Abdruck zu verringern, sei verpflichtend. Beim Thema Soziales wolle die ANWR als diverses Unternehmen wahrgenommen werden. Man habe einen Frauenanteil von 73% – mit Luft nach oben im Bereich der Führungskräfte – und sei stark im Bereich Teilzeit aufgestellt. 4% der Beschäftigten seien Auszubildende und Duale Studenten. Nachhaltigkeit sei ein „Mega-Thema“, verursache aber oft bürokratischen Aufwand. Auch dafür empfiehlt Schuffelen: „Weniger ist mehr, einfacher ist besser und digital ist schneller“.