Akribische Vorarbeit
Das war mitten in der Corona-Pandemie, als generelle Kostensteigerungen, die Nicht-Verfügbarkeit von Gerbhilfsmitteln und Lockdowns auch den Gerbereien zu schaffen machten. Der Pferdesport allerdings boomte ebenso wie das Outdoor-Segment, was Kilger in seiner Entscheidung bestärkte. Hinzu kam das enorme Renommee, das die Marke Rendenbach besitzt. Der Gerber belieferte traditionell Manufakturen von handwerklich gefertigten Schuhen, aber auch große Hersteller, wie sie sich beispielsweise im englischen Northampton oder auch in Italien und den USA finden.
Was folgte, war viel akribische Vorarbeit. Denn wo Rendenbach drauf steht, muss auch Rendenbach drin sein. „Wir mussten schauen, dass wir die Eichengrubengerbung genau so hinbekommen, wie sie von Rendenbach durchgeführt wurde“, berichtet Michael Kilger. Es gab etliche Versuche und Experimente. Kilger brauchte Kapazitäten, sprich Gruben, in denen aus Rinderhäuten die edlen Leder gemacht werden. Zusätzlich zu den an seinem Unternehmenssitz vorhandenen Gruben erwarb er zusätzliche Behälter. Weitere Gruben standen in einer Gerberei in Erding zur Verfügung, mit der er gut bekannt ist. Und dann stellte sich die Frage der Gerbbrühe. Das besondere Gebräu lässt sich nicht einfach so mischen. Es bedarf vieler Zutaten, unter anderem hochwertiger Eichenrinde, um die richtige Gerbbrühe anzusetzen. Und bei der Grubengerbung wird die Brühe nie weggegossen, sondern immer wieder genutzt. Also musste die original Rendenbach-Brühe von Trier nach Viechtach umziehen. „Wenn wir bei Null angefangen hätten, wäre das viel schwieriger, ja, fast unmöglich gewesen“, blickt Michael Kilger zurück.
In mehreren Tranchen wurden daher die vielen tausend Liter schließlich aus den Trierer Gruben abgepumpt und nach Bayern transportiert, etwa sechs Lastwagen mit 30.000 l Fassungsvermögen waren dafür nötig. In Viechtach bzw. Erding wurde das Gebräu dann in wieder in die Gruben gefüllt.
Mit dem Namen Rendenbach hat Kilger auch das komplette in Trier etablierte Verfahren der Grubengerbung übernommen. Bei der traditionellen Herstellung grubengegerbten Leders werden immer zwei Croupons – zu gerbende Häute – in die Grube gelegt und mit Eichenrinde bedeckt, wobei immer ein Mitarbeiter in der bis zu drei Meter tiefen Grube stehen und den Prozess Schritt für Schritt durchführen muss. Rendenbach entwickelte eine Vorgehensweise, bei der Leder in Netzen zusammen mit der Eichenrinde in die Grube gelegt wird. So wird es jetzt auch bei Kilger gemacht. Und auch das Rohmaterial für die späteren Sohlenleder kommt aus denselben Quellen in Süddeutschland und Österreich, wie auch der Trierer Traditionsgerber sie nutzte.