Hat die Marke Living Kitzbühel durch die Insolvenz gelitten?
Natürlich leidet jede Marke unter einer Insolvenz – so etwas lähmt Prozesse und sorgt zwangsläufig für Stillstand und den Verlust von Kundenvertrauen. Bei Living
Kitzbühel war das größte Problem vor allem die zunehmend schlechter werdende Liefertermin-Performance sowie der nahezu vollständige Lieferausfall für Frühjahr/Sommer 2026. Das hat unsere Kunden verständlicherweise verunsichert. Umso wichtiger ist es uns jetzt, die Marke Schritt für Schritt wieder zu stabilisieren, Vertrauen zurückzugewinnen und wieder eine verlässliche Basis für alle Beteiligten zu schaffen.
Welche Anteile haben Damen-, Herren- und Kinderschuhe bei den beiden Marken?
Bei Gottstein liegt der Schwerpunkt klar auf Erwachsenenmodellen, während Living Kitzbühel traditionell stärker im Kinderbereich ist. Wir wollen bei Living Kitzbühel bewusst darauf setzen, die Erwachsenenlinie weiterzuentwickeln, ohne den Erfolg im Kindersegment zu vernachlässigen.
Die Kundinnen und Kunden sind derzeit sehr kostenbewusst, auch bei Schuhen. Inwiefern wirkt sich dies auf Ihre Strategie aus?
Durch die Synergien erwarten wir, preislich sehr wettbewerbsfähig zu sein. Gleichzeitig wollen wir, wie erwähnt, der Marke und ihren Werten treu zu bleiben – dazu gehört klar auch die Produktion in Europa. Das hat natürlich seinen Preis, denn Qualität, kurze und nachhaltige Produktionswege sowie aufwändige Designs kosten etwas mehr. Unsere Strategie ist es daher, klar zu kommunizieren, warum die Schuhe diesen Wert haben, und gleichzeitig verlässlich, kreativ und nah am Handel zu arbeiten. Unser klarer Ansatz muss sein, das Produkt noch besser und noch weniger austauschbar zu machen, anstatt sich in den Preiskampf zu begeben. Nur so können Marken stabil und langfristig bestehen.
Wie läuft die aktuelle H/W-Orderrunde?
Wir sind allgemein sehr zufrieden. Die aktuelle Herbst/Winter-Orderrunde der Marke Living Kitzbühel zeigt, dass einige Kunden noch verunsichert sind und auch die Altlasten aus den späten Lieferungen der letzten Saison erst abbauen müssen. Das war jedoch zu erwarten. Und es freut uns schon sehr, dass uns bereits viele langjährige Kunden der Living Kitzbühel-Familie eine Chance geben. Ich bin überzeugt, dass wir Schritt für Schritt das Vertrauen der Kunden wieder zurückholen werden.
Was wünschen Sie sich vom Handel?
Generell mehr Offenheit, sich Neues – Marken oder Styles – anzusehen und sie auch zu probieren, damit wieder mehr Vielfalt für alle im Handel entsteht. Die Dominanz des Preisaspektes nicht zusätzlich zu unterstützen. Vielmehr sollte wieder das wunderschöne Produkt Schuh in den Mittelpunkt rücken – ein Produkt, das komplex ist, Handwerkskunst zeigt und in vielen Arbeitsschritten gefertigt wird. Es wäre großartig, wenn Handel und Industrie gemeinsam versuchen, diese Geschichten und Werte wieder mehr in den Fokus zu rücken. Für Living Kitzbühel wünsche ich mir, dass auch die Kunden, die noch verunsichert sind, der Marke eine Chance für den Neustart geben.