Re-Commerce als Alternative
Neben Prävention und Transparenz spielt Re-Commerce für Lameyer eine zentrale Rolle. Rücksendungen, B-Ware oder leicht beschädigte Artikel sollten nicht wahllos in Restpostenkanälen landen. Marken und Händler könnten diese Ware selbst vermarkten – kontrolliert, transparent und wirtschaftlich sinnvoll. „Wenn ich heute eine Marke wäre, würde ich die B-Ware und die Retourenware komplett über meine eigene Seite verkaufen“, sagt Lameyer. Das habe auch mit Markenpflege zu tun.
Wer retournierte Ware unkontrolliert in den Markt gebe, verliere Einfluss auf Preisbild, Präsentation und Wahrnehmung. Professionell aufgesetzter Re-Commerce könne dagegen Marge sichern und die Marke schützen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Prozesse stimmten: Prüfung, Reinigung, Beschreibung, Bewertung und Wiederverkauf müssten sauber organisiert sein. Dass sich der Aufwand lohnen kann, zeigen aus Lameyers Sicht Unternehmen, die Retouren nicht als lästige Kostenstelle behandeln. Er verweist auf Anbieter, die Rücksendungen konsequent prüfen, aufbereiten und wieder in Wert setzen. „Es gibt wahnsinnig viel, was an Dienstleistung schon da ist“, sagt er. Von Reinigung über Reparatur bis zur fachgerechten Aufbereitung gebe es längst spezialisierte Partner.
Am Ende geht es für den Experten um einen Perspektivwechsel. Retouren seien nicht nur ein Kostenproblem, sondern auch ein Warenwert, ein Datenpool und ein Kontaktpunkt zum Kunden. Richtig organisiert, könne daraus sogar ein wirtschaftlicher Vorteil entstehen. „Macht es als Profitcenter“, rät er den Unternehmen. „Dann werdet ihr merken: Am Ende des Tages wird damit auch Geld verdient.“ Wer Retouren professionell steuere, könne Kosten senken, Produkte verbessern, Vertrauen schaffen und regulatorischen Anforderungen gelassener begegnen. Oder, wie Lameyer es formuliert: „Wir müssen klar und deutlich sagen: Wir schmeißen bewusst nichts weg.“