Bedeutet „Wechsel“ tatsächlich die komplette Umstellung von ePTFE auf ePE, oder ist ePE nur eine Ergänzung?
Es ist ein Wechsel, der sich in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich vollzieht. Im Consumer-Bereich läuft ePTFE aus. Wenn Sie jetzt in den technischen Bereich gehen wie Militär und Feuerwehr, wo die Schutzfunktion an erster Stelle steht, wird und kann ePTFE nach wie vor eingesetzt werden. Doch auch hier wird es eine Übergangsphase geben, bis alles umgestellt wird. Wobei ich betonen möchte, dass das Material ePTFE ja nicht verboten ist. Es wird nach wie vor in sehr vielen Bereichen eingesetzt, in der Medizin, in der Industrie, in Handys und so weiter. Die Medizin hat sich ausführlichst damit beschäftigt. Das Material hat einzigartige Eigenschaften und ist körperkompatibel. Problematisch in Bezug auf PFC (Perund polyfluorierte Chemikalien, Anm. d. Red.) waren die DWRs („durable water repellent“, also dauerhaft wasserabweisend, Anm. d. Red.), weil sie ausgegast haben. Das hat Greenpeace damals öffentlich gemacht. Aber ePTFE als hoch inertes Material einerseits und flüchtige PFCs in DWR-Ausrüstungen auf Fluorcarbonbasis andererseits sind zwei unterschiedliche Themen. ePTFE ist ein stabiles Molekül und gast nicht aus. Daher wurde das Problem mit den DWRs erkannt, und seit 2018 verwenden wir keine fluorcarbonhaltigen DWRs mehr. Dass oft beides in einen Topf geschmissen wird, ist inhaltlich falsch, aber das lässt sich schwer kommunizieren. Mit dem Wechsel sollte es nun keine Diskussionen mehr geben.
Die Vorwürfe gegenüber ePTFE bezogen sich ja im Folgenden auch auf den Produktionsprozess, nicht nur auf das Ausgasen.
Das stimmt, aber wir stellen den Ausgangsstoff für ePTFE, das Granulat, nicht selbst her, wir kaufen und veredeln es. Dann produzieren wir aus dem Vorprodukt eine Membrane. Das ist das Herzstück unserer Technologie. Aber letztlich war seit vielen Jahren klar, dass wir Alternativen suchen müssen. Alles in allem haben wir sicher zwanzig Jahre daran gearbeitet. Und natürlich mussten wir nicht nur die Membran entwickeln, sondern auch den Laminatprozess und alle weiteren Schritte. Deswegen sind wir erst mit ein, zwei Laminaten in den Markt gegangen und haben das Programm erst nach und nach erweitert, weil wir alles auf einmal nicht machen können.
Sie beschäftigen sich ja schon sehr lange mit der Funktionalität von Schuhen. Wohin geht der Trend gerade?
Der große Trend heißt Road-Running, Trail-Running, dicke Sohlen. Der Trend ist leicht, minimalistisch, bequem. Dabei wird der Großteil dieser Schuhe nicht als Performance-Modell getragen, sondern als Freizeitschuh. Im Bereich Performance beschäftigen sich viele mit dem Thema Critical Foams. Das ist eine ganz spezielle Herstellung eines Schaumes, der federleicht ist und auch eine Dämpfung bietet. In aller Munde sind auch Carbon-Versteifungen, die dem Läufer Energie zurückgeben. Was verloren hat, ist der Leder-Bereich, leider. Diese typischen, klassischen Leder-Boots oder klassische Leder-Business-Schuhe sind weniger geworden. Ich glaube aber, dass es wieder kommt. Im Outdoor-Bereich geht es heute auch eher in den Halbschuh-Bereich, anstelle von Mid- oder High-Cut. Oft trägt nur noch die ältere Generation klassische Leder-Trekking-Schuhe. Alle anderen sind mit deutlich leichterem Schuhwerk unterwegs. Ich glaube, die Leute lieben bequem. Inzwischen gibt es eine totale Überlappung zwischen Lifestyle und Performance und zwischen den Kategorien Running und Outdoor. Ein klarer Trend ist immer schwerer zu erkennen.