Das wollten wir wissen:
• Hat sich dein Schuhkaufverhalten durch die Präsenz des Themas Nachhaltigkeit in Medien verändert?
• Worauf achtest du beim Schuhkauf?
a) Tierwohl
b) Produktion
c) Umwelt
• Wie informierst du dich über die Einhaltung deiner Standards?
• Welche Bedeutung misst du entsprechenden Zertifikaten bei?
• Kennst du nachhaltigeSchuhmarken?
• Wie empfindest du die Preise für nachhaltig herstellte Schuhe? Gibt es ein persönliches Limit?
• Besitzt du ein Paar Schuhe, dass du bewusst aus den vorher genannten Gründen gekauft hast?
Jerome (27): Mein Kaufverhalten hat sich durch die Nachhaltigkeitsdebatte nicht verändert. Ich kaufe aber auch nur vielleicht zwei bis drei mal im Jahr ein neues paar Schuhe. Das habe ich auch vor Greta Thunberg schon am liebsten in lokalen Geschäften gemacht, um anprobieren zu können. Bei guten Angeboten kaufe ich auch online. Über Nachhaltigkeit habe ich mir dabei noch keine besonderen Gedanken gemacht und habe dementsprechend auch keine Standards und kenne keine nachhaltigen Schuhmarken. Generell liegt mein Preislimit für
Schuhe bei ca. 80 Euro.
Anna (31): Ich esse seit drei Jahren vegan und habe deshalb auch schon vor der Fridays for Future (FFF) Bewegung versucht, meine Kleidung meiner Ernährung anzupassen. Das Tierwohl ist mir sehr wichtig und auch die Folgen für die Umwelt spielen bei meinem veganen Lebensstil eine Rolle. Vor dem Schuhkauf informiere ich mich übers Internet über das Produkt, wobei ich nicht auf Zertifikate achte. Ich halte nicht viel von Zertifikaten, weil ich nicht weiß, ob sie einhalten, was sie versprechen. Ich weiß nicht, ob die veganen Schuhmarken, die ich kenne, auch nachhaltig sind. Das ist einmal Veja, mit denen ich leider nicht so zufrieden bin, da das Fußbett meinen Fuß nicht unterstützt. Auch meine Wills Vegan Shoes waren anfangs etwas unbequem, weil sie sehr schmal an den Zehen liegen. Weiterer Nachteil bei beiden Modellen: Meine Füße schwitzen darin ziemlich. Meiner Meinung nach sollten nachhaltige Schuhe nicht viel mehr kosten als konventionell gefertigte Schuhe.
Matthias (28): Seitdem das Thema Nachhaltigkeit so präsent ist, informiere ich mich über Material und Herkunft des Schuhs. Ich habe das Thema auch zum Anlass genommen, mich über „faire Sneaker“ zu informieren. Ich habe aber in dieser Zeit auch Schuhe von etablierten Schuhherstellern wie Adidas oder Reebok gekauft. Wenn ich zwischen zwei Paar Schuhen wählen müsste, würde ich die vegane und die nach fairen Sozialstandards produzierte Variante wählen. Leider fehlt mir hier die Expertise zur Bewertung, aber auch die Umweltverträglichkeit ist mir wichtig. Dabei achte ich im Wesentlichen auf die Angaben des Herstellers bzw. Verkäufers (z.B. Zalando). Ehrlicherweise habe ich das Vertrauen in Zertifikate verloren, da leider sehr oft berichtet wird, dass die Mindestanforderungen, um ein Produkt zertifizieren zu dürfen, teilweise sehr ungenügend sind. Ich mache mir dann aber auch offen gestanden gar nicht erst die Mühe, das jeweilige Zertifikat zu recherchieren. Am ehesten vertraue ich dem Öko-Test und der Stiftung Warentest. Die Preise für nachhaltige Schuhe liegen oft etwas über dem, was ich investieren möchte, allerdings erscheint mir der Preis, wenn der Schuh denn wirklich „fair“ ist, auch plausibel. Das Limit hängt vom Schuh ab. Bei Sneakern wären das beispielsweise ca. 120 Euro. Da kenne ich als Marken Wado und Veja. Ein Paar Wados in weiß habe ich mir auch gekauft und sie sind, unter anderem auch weil es sich um faire Sneaker handelt, mein Lieblingspaar.
Jessica (33): Wenn ich drüber nachdenke, hat das Thema Nachhaltigkeit beim Schuhkauf noch keine Rolle für mich gespielt. Wobei ich mir lieber ein qualitativ hochwertiges Paar kaufe, als zehn günstige. Bis jetzt habe ich Schuhe immer nach zwei Kriterien ausgewählt: nach dem Aussehen und nach dem Komfort. Da gibt‘s keine Kompromisse! Aber ich habe noch nie nachgefragt oder nachgeschaut, wie produziert wird. Ganz im Gegensatz zum Textilkauf, wo man doch eher ins Etikett schaut. Auf Zertifikate habe ich auch noch nie geachtet. Nachhaltige Schuhmarken kenne ich nicht und ich habe auch den Eindruck, dass bei Schuhen, im Gegensatz zur Kleidung (Biobaumwolle/Recycling, Polyester aus PET-Flaschen), auch nicht wirklich damit geworben wird. Für qualitativ hochwertige Schuhe bin ich gerne bereit mehr auszugeben. Wenn sie dann noch nachhaltig sind, ist es um so besser.
Anne (24): Durch die Nachhaltigkeitsbewegung hat sich bei mir einiges geändert. Im Grunde mein ganzes Kaufverhalten, denn ich kaufe nur Second Hand, was ich am nachhaltigsten finde, weil für mich nichts Neues produziert wird. Deswegen trifft keine der Kategorien auf mein Kaufverhalten zu, weil ich eben nur Second Hand kaufe. Meine Schuhe sind dann auch mal aus Leder. Würde ich allerdings neue Schuhe kaufen müssen, wäre es wohl vor allem das Tierwohl, auf das ich achten würde. Da läge mein Preislimit bei 150 Euro, würde ich sagen. Nachhaltige Marken kenne ich nicht und die Vertrauenswürdigkeit von Zertifikaten zweifle ich grundsätzlich an.
Corinna (27): Ich wurde in den letzten Jahren vor allem durch Youtube immer öfter auf das Thema Nachhaltigkeit und dessen Umsetzung aufmerksam. Dies hat sich vorerst auf andere Bereiche ausgewirkt, insgesamt versuche ich mir aber inzwischen möglichst selten Schuhe zu kaufen. Bisher habe ich beim Schuhkauf in erster Linie darauf geachtet, ob sie mir gefallen und ob sie bequem sind. Auch ist mir wichtig, dass die Schuhe lange halten. Ich habe ein Portemonnaie von Matt & Nat aus recycelten Plastikflaschen in Lederoptik. Von dieser Firma gibt es auch Schuhe, die nachhaltig und vegan produziert werden, Lederschuhen aber sehr ähnlich sehen. Die Marke High Feels produziert sehr schöne Sandalen, davon habe ich auch ein Paar. Das sind vegane Barfußschuhe, die super bequem sind, aber auch schön aussehen. Mit Zertifikaten bei Schuhen kenne ich mich leider gar nicht aus. Mein persönliches Preislimit hängt von der Art des Schuhs ab, liegt aber in etwa bei 100 Euro.
Fabiana (21): Mein Kaufverhalten hat sich aufgrund der FFF-Bewegung nicht geändert. Ich achte beim Kauf auf das Tierwohl und auf faire Arbeitsbedingungen, allerdings weniger auf die Auswirkungen auf die Umwelt, als ich gerne zugeben möchte. Ich informiere mich über die Internetseiten der Hersteller und vegane Websites wie PETA oder Plantbasednews. Bei den Herstellerinformationen bin ich mir oftmals aber unsicher, was die Glaubwürdigkeit betrifft. Zertifikate bedeuten mir nicht viel: Wenn man sieht, was Tierwohl-Label u.ä. alles zulassen, dann kann man solchen Labels generell nicht einfach blind vertrauen. Ich kenne weniger nachhaltige Schuhmarken, als ich gestehen möchte. Eigentlich nur solche, die neben ihrem Mainstream-Erfolg eher zufällig auch nachhaltig sind, wie Toms oder Kangaroos. Höhere Preise find ich in Ordnung. Man muss sich nicht jedes Jahr ein Paar neue Schuhe kaufen, dann kann man auch mal alle paar Jahre ein wenig mehr investieren.
Ariana (21): Ich würde nicht unbedingt sagen, dass mein Kaufverhalten sich nur durch die Medienpräsenz der Umweltthemen verändert hat, sondern vielmehr durch mein Verständnis von Konsum. Früher war ich eine klassische Impuls-Käuferin, die Quantität über Qualität gestellt hat und sofort das Geld ausgab, das sie in der Hand hatte. Mittlerweile nehme ich mir bewusst die Zeit darüber nachzudenken, was ich mir von meinem Kauf erhoffe und wie langlebig er sein soll. Dabei gebe ich mittlerweile lieber mehr Geld für hochwertiges Material aus und trage die Schuhe auch über einen längeren Zeitraum, denn 30-Euro-Schuhe von H&M fühlen sich nun mal auch so an wie 30 Euro. Ich lege Wert auf faire Produktionsbedingungen. Aber um ehrlich zu sein, mache ich mit eher selten die Mühe, mich darüber zu informieren. Da ich meistens sehr ausgelastet bin, was den Alltag angeht, kommen ausgiebige Einkaufstouren nur noch selten vor und wenn doch, dann muss es eher schnell gehen. Da greife ich eher zum Angebot, das mir direkt vor der Nase ist und mich anspricht – meistens auch ohne zu wissen, woher es kommt. Mein Limit ist bei Kleidung und Schuhen meist schnell erreicht, da ich nicht mehr zahlen möchte, als diese Gegenstände mir „geben“ können. Bei Schuhen würde ich sagen, es liegt zwischen 150 und 200 Euro, am liebsten aber weniger. Ich kenne keine nachhaltigen Schuhmarken und besitze auch keine.
Felix (21): Die FFF-Bewegung hat schon Einfluss auf mich, ja. Würde ich neue Schuhe kaufen, so wären sie höchstwahrscheinlich vegan und möglichst frei von Plastik. Früher habe ich höchstens auf die faire Produktion geachtet, mittlerweile beeinflussen aber auch die Folgen für die Umwelt und das Tierwohl mein Kaufverhalten. Ich kaufe Schuhe immer im Geschäft, niemals im Internet. Dort frage ich einfach die Mitarbeitenden des Geschäfts nach Produkt-Informationen. Ich kenne mich mit Zertifikaten nicht gut aus, weswegen ich nicht einschätzen kann, wie seriös sie sind. Ich habe allgemein kein großes Vertrauen in Zertifikate oder Siegel, es sei denn sie wurden von namhaften Instituten oder Prüfstellen vergeben. Ich halte die Schuhe von Dr. Martens für relativ nachhaltig, hauptsächlich aber weil sie ewig halten, wenn man sie etwas pflegt. Davon besitze ich auch ein Paar. Ansonsten sind mir leider keine besonders nachhaltigen Schuhmarken bekannt. Beim Preis gibt ein persönliches Limit, aber diese Schmerzgrenze wird zugunsten von Qualität, fairer Produktion und Nachhaltigkeit gerne etwas nach oben verschoben. Ein erhöhter Preis ist dann angemessen, wenn man auch wirklich darauf vertrauen kann, dass das Geld an den richtigen Stellen ankommt.
Jule (21): Nachhaltigkeit ist für mich schon seit längerer Zeit ein großes Thema. Aber dadurch, dass es auch in den Medien immer präsenter wurde, habe ich mich noch intensiver damit beschäftigt. Da ich mittlerweile vegan lebe, trage ich keine Schuhe aus tierischen Materialien. Aus Nachhaltigkeitsgründen kaufe ich meistens Second Hand. Herauszufinden, ob ein Schuh vegan ist, ist eigentlich selten ein Problem. Da Leder, Pelz oder Schafswolle als ein Zeichen für Qualität gelten, wird meist damit geworben. Ansonsten steht es in der Produktbeschreibung (wenn man im Internet bestellt) oder man fragt im Laden nach. Neu entdeckt habe ich die Marke Flamingos‘ Life. Sie produziert Schuhe aus recyceltem Plastik, das aus dem Meer gefischt wurde, ist komplett vegan und bei jedem Kauf werden Bäume gepflanzt. Natürlich haben auch einige größere Marken vegane Alternativen (z.B. Dr. Martens oder Birkenstock). Ich unterstütze aber viel lieber kleine Unternehmen, die komplett auf tierische Materialien verzichten. Mir kommen eben genannte oft recht scheinheilig vor. Schließlich beginnen sie nicht, vegane Alternativen aufgrund ihrer ethischen Überzeugung anzubieten, sondern wegen der steigenden Nachfrage. Ich persönlich kaufe wie gesagt meistens nur noch Second Hand. Wenn ich aber doch mal neue Schuhe haben möchte, muss ich eben sparen. Der Preis für einen guten, ethisch vertretbaren Schuh ist nun einmal etwas höher als der für einen 20-Euro-Schuh von Primark. Und für alle anderen gilt: Wer Geld für teure Prada-Schuhe aus Leder, echte Pelzmäntel und mit Lammfell gefütterte Stiefel hat, dem werden seine Finanzen auch nicht im Wege stehen, wenn er sich nach ethischen und nachhaltigeren Alternativen umschaut.