Görtz-Flaggschiff, Spitaler Straße, Hamburg, Ende März: Am Haus sind großflächig Sale-Aktionen plakatiert: 30, 60, 70%. „Satte Rabatte auf das ganze Sortiment“, heißt es bei Görtz in der Europapassage in der Hansestadt. „Weitere Reduzierungen“ steht an den Schaufenstern der Spitaler Straße.
Wer die Görtz-Filiale 101, früher das Vorzeigehaus des Unternehmens, betritt, findet vor allem Kartons in den Regalen, vielfach geöffnet, darin die angebotenen Modelle: zum Beispiel Stiefeletten in verschiedenen Farben, nach Größen sortiert. Dominant ist die Eigenmarke Cox, aber auch Modelle von Tamaris, Gabor, Birkenstock, Dr. Martens, Dockers by Gerli und Paul Green werden präsentiert. Auch in der Kinderschuhabteilung reihen sich die fabenfrohen Kartons aneinander und werden mit deutlichen Rabatten ausgezeichnet: Modelle von Lurchi, Keen, Superfit, Richter, Dockers by Gerli, Däumling, Bisgaard und Primigi werden hier in geöffneten Schuh-Boxen präsentiert.
Aktuell kursieren Gerüchte dahingehend, dass der Görtz-Standort in Hamburg-Altona sowie der Standort in Darmstadt Mitte April schließen sollen. Zumindest für Darmstadt bestätigt ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Gideon Böhm die Information gegenüber schuhkurier: „Die konstruktiven Gespräche mit den Vermietern werden fortgesetzt. Sofern für einzelne Filialen bereits Nachmieter vorhanden sind, wird eine geordnete Rückgabe der Mieträumlichkeiten besprochen und durchgeführt. Dies betrifft aktuell die Filiale in Darmstadt, die Mitte April 2025 geschlossen und geordnet an den Vermieter zurückgegeben wird. Während der Prüfung der Filialkonzeption bleiben die bundesweit noch betriebenen Görtz Filialen für Kundinnen und Kunden geöffnet.“ Wie viele das sind, dazu macht der Sprecher auf schuhkurier-Anfrage keine Angaben.
Der mit Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung aufgesetzte Investorenprozess werde auf Basis zahlreicher Interessenbekundungen weiter vorangetrieben, so der Sprecher weiter. Alle Interessenbekundungen zur Übernahme von Filialen würden an die Vermieter weitergegeben, damit Interessenten und Vermieter gezielte direkte Gespräche führen können. Einen Zeitrahmen gebe es dafür nicht.
Der Sprecher betont erneut, dass sich die Görtz-Markenrechte nicht im Vermögen der im Insolvenzeröffnungsverfahren befindlichen Görtz Retail GmbH befinden. „Auch befindet sich im Vermögen der Gesellschaft keinerlei Grundeigentum. Die Entscheidung, wie jede einzelne Fläche künftig genutzt und an wen sie vermietet wird, liegt allein bei den Grundeigentümern.“
Die Görtz-Filialen in Kassel und Kempten wurden bereits Ende Februar geschlossen. Als der Unternehmer Bolko Kissling das Konzept übernahm, gab es noch rund 40 Filialen.