Ein selbstbewusster Auftritt: „Der am schnellsten wachsende Online-Anbieter sind wir“, leitete Dr. Stephan Fanderl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), auf dem Ecommerce-Tag in Köln in seine Ausführungen ein. Der neue Warenhauskonzern könne die stärkste Marke und Nummer eins in der City werden.
Gleichwohl weiß er um die aktuellen Schwächen seines Unternehmens. Eine Voraussetzung für den „vernetzten Marktplatz der Zukunft“ sei, dass die Warenhäuser selbst wieder zum Marktplatz werden. Dort müsse „die Qualität ein Stück weit verbessert“ werden. Dazu gehörten auch digitale PoS-Konzepte. 25 Techniken seien im „Experience Store“ in Düsseldorf getestet worden. Vier von ihnen hätten den Praxistest bestanden. In der digitalen Umkleidekabine können die Kunden zum Beispiel eine andere Größe beim Personal bestellen und sich bringen lassen. Mobile Kassen ermöglichen eine schnelle, bargeldlose Bezahlung ohne Warterei an der Kasse. Und dank digitaler Schaufenster könne GKK auch außerhalb der Öffnungszeiten „verkaufsfähig“ bleiben.
Daneben stelle sich die Frage, wie das Ecommerce-Geschäft von GKK zum Marktplatz weiterentwickelt werden könne. Zwei Zahlen verdeutlichen die bisherige Diskrepanz zwischen stationärem und Online-Geschäftdes Warenhaus-Konzerns. GGK habe sechs Millionen verschiedene Artikel physisch in den Städten verfügbar – aber nur 350.000 online. In diesem Zusammenhang könne sich GKK auch vorstellen, online wieder Kategorien anzubieten, wie z.B. Fahrräder, die in den Warenhäusern seit Jahren nicht mehr angeboten werden.
Logistik neu denken
Fanderl will zudem die bestehende logistische Infrastruktur seiner Warenhäuser wiederbeleben. Diese sei mit dem Aufkommen der Zentrallager nicht mehr benötigt worden, aber noch vorhanden. So könnten die obersten Stockwerke, die immer schwierig zu bewirtschaften seien, in Lagerfläche umgewandelt werden. Fanderl will in diesem Bereich auch mit Partnern zusammenarbeiten, die dadurch ihre Lieferzeiten deutlich auf „zwei bis drei Stunden“ verkürzen könnten.
Zwei Pilotprojekte starten bereits in diesen Tagen: In bestimmten Karstadt-Filialen können die Kunden ab sofort ihre Amazon-Pakete abholen. Außerdem werden Kundenbestellungen von Zalando von ausgewählten Karstadt-Filialen bearbeitet und verschickt. Erst wenn ausgewählte Produkte bei Zalando nicht mehr verfügbar seien, könne der Kunde das Produkt über Karstadt bestellen. Perspektivisch entwickelten sich die Kassenblöcke dann auch zur Paketausgabe.