Zalando will zur Plattform werden. Warum?
Das Plattform-Konzept ist ein zentraler Bestandteil der Ökonomie des 21. Jahrhunderts, auch wenn dieser Gedanke in Deutschland noch gar nicht richtig angekommen ist. Das Ziel von Zalando ist es, in dem aktuell noch stark fragmentierten Modemarkt die verschiedenen Teilnehmer miteinander zu vernetzen. Wir wollen das Spotify der Mode werden. 90% der Mode liegt beispielsweise derzeit noch in den Geschäften des stationären Handels und ist nicht digitalisiert. Zugleich kaufen immer mehr Verbraucher online ein. In England geben die 19- bis 29-Jährigen bereits 80% ihres Modebudgets online aus. Dieser Entwicklung muss sich die gesamte Branche stellen.
Geschieht das aus Ihrer Sicht hinreichend?
Der Großteil des stationären Handels hat sich noch nicht ausreichend mit der Digitalisierung beschäftigt. Handel ist Wandel – so platt dieser Spruch auch ist, er ist extrem wahr und gilt für Zalando genauso wie für jeden anderen im Markt. Viele Händler waren in der Vergangenheit erfolgreich, weil sie nur in begrenztem Maße Konkurrenz ausgesetzt waren. Das hat sich durch das Internet geändert. Der Kunde ist heute online und mobil unterwegs. Die neue Marktsituation sollte dazu führen, dass sich jeder Akteur kritisch hinterfragt. Die Digitalisierung der Highstreet ist die große Aufgabe des stationären Handels. Ich bin dabei aber überzeugt, dass die Lösung nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander liegt. In der Symbiose von Online und Offline steckt viel Potenzial.
Seit Herbst 2016 läuft die Kooperation mit Gaxsys, über deren System stationäre Schuhhändler an Zalando angeschlossen werden können. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Derzeit beteiligen sich rund 40 Unternehmen in Deutschland. Wir haben bereits sehr viele Erkenntnisse gewinnen können. Eine Herausforderung stellt dabei die Anbindung der verschiedenen Warenwirtschaftssysteme an die Zalando-Plattform dar. Aber auch dafür werden wir eine Lösung finden. Unser Ziel ist es, eine Rezeptur zu finden, die für alle Beteiligten von Vorteil ist: die Händler, Zalando und die Kunden.
Zalando gilt Vielen in der Branche als Totengräber des stationären Handels. Nehmen Sie diese Rolle an?
Nein, denn der Handel muss sich permanent weiterentwickeln und E-Commerce ist ein Teil dieses Wandels – wenn auch mit wachsender Bedeutung.
Vor kurzem hat Zalando angekündigt, den Basketball-Spezialisten Kickz zu übernehmen, der auch 15 Stores in Deutschland betreibt. Was plant Zalando?
Zunächst steht die Übernahme noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden, daher ist es für Details noch zu früh. Kickz verfügt über eine sehr große Kompetenz im Bereich Basketball-Lifestyle. Das wollen wir für Zalando nutzen und zugleich durch unser Know-how den Onlineshop von Kickz stärken. Ich kann den Handel beruhigen: die Übernahme wird nicht der Startschuss einer stationären Expansion sein. Unsere Kompetenz liegt im Online-Handel und wir könnten beispielsweise unsere Produktvielfalt nur schwer stationär abbilden – dafür würden wir Verkaufsflächen benötigen, die mehrere Fußballfelder groß wären.