Sie waren vor Ihrer Position als Geschäftsführer Gebietsrepräsentant für ein anderes Unternehmen. Ihr neuer Job bringt eine Menge mehr Verantwortung mit sich.
Es ist nicht nur die Verantwortung, sondern auch ein ganz anderes Aufgabenfeld. Mir kommt zweifellos mein BWL-Studium zugute; dennoch muss ich mich in viele Themen einarbeiten. Und ich bin ganz bewusst ins kalte Wasser gesprungen. Meine wesentliche Aufgabe ist es, zu koordinieren, die verschiedenen Bereiche des Unternehmens zusammenzuführen und die Teams an die Hand zu nehmen. Und dann haben wir viele hochkompetente Profis in unseren Abteilungen, von der Buchhaltung bis zur Arbeitsvorbereitung.
Wie würden Sie die Däumling-DNA beschreiben?
Wir sind ein bodenständiges Unternehmen, das über drei Generationen in Familienhand geführt wurde. Wir sind in der Südwestpfalz verwurzelt. Däumling steht für Passform und Qualität. Hochwertige Materialien, tolle Leder, Spezialist für die Weite S und immer ein Bezug auf unsere Heimat, das ist unsere DNA. Auf dieser Basis wollen wir uns weiterentwickeln.
Wie soll diese Weiterentwicklung aussehen?
Wir richten uns daran aus, was der Markt wünscht. Ein großes Thema sind aktuell Barfußschuhe. Es gibt ein breites Spektrum an Sicht- und Denkweisen, und wir versuchen, dies auf unsere Weise zu interpretieren. Zudem ist es unser Ziel, innerhalb der Berkemann-Gruppe Synergien zu bilden. Wir haben bereits Barfußschuhe aus Filz im Markt; das Material kommt von Berkemann. Wir haben nun viele Möglichkeiten, die es vorher nicht gab, etwa im Hinblick auf Technik, Know-how und Materialien. Ein Beispiel sind bedruckte Leder, die unser Werk in Ungarn selbst herstellen kann. Das sind Themen, die wir früher so nicht umsetzen konnten. Wir werden keine Revolution durchführen, aber eine bewusste Weiterentwicklung.
Wie bringen Sie Ihre Neu- und Weiterentwicklungen dem Handel näher?
Für mich ist der Kontakt zu den Einkaufsvereinigungen wichtig. Erste Gespräche haben wir schon geführt und sehr positives Feedback auf die Themen unserer Kollektion erhalten. Auch das Thema Barfußschuhe, wie wir es ausgearbeitet haben, kam sehr gut an. Und wir werden uns auch in die Wissenswelt einbringen. Künftig werde ich viele unserer Händler besuchen, um zu erfahren, was sie bewegt. Das Marketingbudget für Endverbraucherwerbung ist limitiert, daher müssen wir versuchen mit unseren Mitteln das Bestmöglichste zu tun, um unsere Themen und Ideen Stück für Stück voranzubringen. Das werden wir einfach versuchen. Dabei ist die Kollektion das eine. Die Marke ist das andere: Wir haben zuletzt etwas an Sichtbarkeit verloren. Nun wollen wir wieder mehr wahrgenommen werden.
Warum hatte Däumling Sichtbarkeit verloren?
Die Marke war in einer gewissen Nische. Ab einem gewissen Alter und Größengang sprechen Kinderschuhe die jungen Kundinnen und Kunden nicht mehr an. Da gibt es einen großen Switch in Richtung Sport. Bei einer Größen-Range von 18 bis 42 müssen wir schauen, in welchen Marktsegmenten wir erfolgreich sein können. Ich muss nur meine Kinder anschauen. Meine Tochter ist 12, sie wandert bereits in den Sportbereich ab. Anders ist es bei meinen Jungs. Sie sind gerade zur Kommunion gegangen – natürlich in Sneakern von Däumling.
Wo werden Sie in Ihrer Kollektion Schwerpunkte setzen?
Wir werden keinen Bereich vernachlässigen. Aber unsere Stärke liegt klar im Lauflernbereich. Da haben wir Produkte auf den Markt gebracht, die wirklich stand-alone sind und einen großen Anteil an der Kollektion und am Umsatz haben. Wir sind dabei, Däumling als Marke im Lauflernbereich zu stärken. Und für Größen ab 26, 27 haben wir mit DMLNG ein dezentes Re-Branding vollzogen, das auch in Richtung Teenager funktioniert und mit dem wir die Mütter abholen können. Für größere Kinder muss die Optik ansprechend sein, das Produkt muss für sich sprechen und überzeugend sein. Und dann kommen die Argumente Passform und Qualität on top. Wir werden auch weiter mit WMS arbeiten. Wir sind bei Weite S bei vielen unserer Kunden als Spezialist gesetzt.