Der letzte Vorhang ist gefallen. Es war eine GDS zwischen gestern und morgen. Die letzte ihrer Art. Vorbei. Da kam dann doch noch Wehmut auf in einer Branche, die viele Saisons vergeblich darum gerungen hat, ein Konzept für diese Messe zu entwickeln, das Zukunft hat und von einer breiten Mehrheit getragen wird. Viel ist darüber diskutiert und mindestens ebenso viel dazu geschrieben worden, wie man der GDS zu mehr Power verhelfen könnte. Unzählige Forderungen und Wünsche wurden angemeldet und wieder verworfen. Und der gemeinsame Nenner wurde im Laufe der Zeit immer kleiner. Bis dann schließlich die Reißleine gezogen wurde – werden musste – und das Ende der GDS besiegelt.
Mancher mag wohl erst vergangene Woche wirklich realisiert haben, dass man das Düsseldorfer Messegelände künftig zwar für Boot, Caravan und Euroshop besuchen kann – aber nicht mehr, um in Halle 3 bei Wortmann oder in Halle 5 bei Floris van Bommel vorbei zuschauen. Und so gab es viele Gelegenheiten zum – überraschend emotionalen – Rückblick. Erinnerungen an Kindheitserlebnisse auf dem Messegelände kamen auf; Besucher übertrumpften sich gegenseitig auf Facebook in der Zahl der bereits absolvierten Messen. „Traurig“ sei der Abschied und „schade“. Und die Frage, was nun werden solle, schwang durch die Hallen.
Es ist gut, dass die letzte GDS in bewährter Form ein würdevolles Ende fand. Die 123. Ausgabe der einst fast gigantischen Großen Deutschen Schuhmusterschau war kein Desaster, sondern eine ordentliche Branchenveranstaltung mit einem immer noch stattlichen Angebot an Kollektionen und durchaus zufriedenstellendem Besucheraufkommen. Allen Beteiligten, von denen mancher wohl mit einem mulmigen Gefühl nach Düsseldorf gereist sein dürfte, gebührt Dank dafür, dass sie sich noch einmal zusammenfanden. Die Erwartungen im Vorfeld waren sicher nicht allzu groß. Aber es wurde auch niemand enttäuscht.
Jetzt muss der Blick nach vorn gerichtet werden. Es ist eine beachtliche Aufgabe, die die Verantwortlichen der Gallery Shoes da zu stemmen haben, und sie ist nicht ohne Risiko: eine neue Veranstaltung zu entwickeln und möglichst zu etablieren – in einem Markt, der inzwischen so vielfältige Informations- und Orderplattformen hat. Mailand, Berlin, München, Köln, Mainhausen, Heilbronn und zahlreiche weitere Standorte sind für die Schuhbranche je nach Schwerpunkt und Ausrichtung relevant und berechtigt.
Es wird jetzt darauf ankommen, das bislang nur grob umrissene Konzept der Gallery Shoes zu konkretisieren. Möglichst viele ins Boot zu holen, ohne die Ausrichtung neuen Messe zu verwässern. Wahrnehmbar war in vielen Gesprächen der Wille, eine neue Veranstaltung mit zu tragen und mit zu gestalten. Wenn dieses ’Commitment‘ mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist, kann die Gallery Shoes gelingen. Darin liegt eine große Chance. Für Düsseldorf als Schuhmesse-Standort dürfte es die letzte sein.