Warnstreiks fanden am 2. Juli in Stuttgart und Umgebung, im Raum Mannheim-Heidelberg, in Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Reutlingen, Tübingen, Göppingen, Heidenheim, Überlingen und Friedrichshafen statt. Betroffen waren die Unternehmen Kaufland, Galeria Kaufhof, H&M und Esprit.
Um 12 Uhr hatten sich auch rund 1.500 Streikende von Kaufland-Betrieben aus acht Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Thüringen, Sachsen und Sachsen Anhalt) zu einer Protestkundgebung vor der Kaufland-Zentrale in Neckarsulm versammelt. Laut und bunt machten sie ihrem Ärger über die „Verschleppungstaktik“ der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde Luft. Bernhard Franke, Verdi-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg, forderte den Schwarz-Konzern auf, als einflussreiches Mitglied im Arbeitgeberverband darauf hinzuwirken, den Tarifkonflikt endlich mit abschlussfähigen Angeboten zu beenden. Die Beschäftigten warteten nun schon über drei Monate auf die dringend benötigten Tariferhöhungen: „Wegen der noch immer viel zu niedrigen Entgelte im Einzelhandel sehen sich die Beschäftigten der Gefahr von Altersarmut ausgesetzt. Kräftige Tariferhöhungen können hier maßgeblich entgegenwirken. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in bester Verfassung – wenn nicht jetzt, wann denn sonst?“ Franke weiter: „Wir werden die Tage bis zum nächsten Verhandlungstermin nutzen und den Druck auf die Gegenseite erhöhen. Verdi ruft nun landesweit verstärkt zu mehrtägigen Streiks auf.“
Zum bisherigen Verlauf der Tarifrunde
Die Entgelt-Tarifverträge des Einzelhandels sind bereits seit drei Monaten ausgelaufen. Die Arbeitgeber legten erst ein einziges Angebot vor, das tabellenwirksame Erhöhungen lediglich in Höhe von 1,5 % vorsieht – was seitens Verdi als viel zu niedrig zurückgewiesen wurde.
Verdi fordert für die rund 490.000 Beschäftigten im Einzelhandel Baden-Württemberg eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 1 Euro pro Stunde sowie ein tarifliches Mindesteinkommen von 1.850 Euro. Der neue Tarifvertrag soll für eine Laufzeit von 12 Monaten vereinbart werden. Zudem strebt Verdi für die Tarifverträge des Einzelhandels wieder – wie bis zum Jahre 2000 jahrzehntelang üblich – die Allgemeinverbindlichkeitserklärung an. Das bedeutet, dass die Tarifverträge wieder für alle Unternehmen und alle Beschäftigten der Branche verbindlich gelten würden. Damit soll der weiteren Verbreitung von „Armutslöhnen“ in der Branche entgegengewirkt werden.
Die vierte Verhandlungsrunde soll am 9. Juli in Korntal-Münchingen stattfinden.