Corona-Krise

Bundesregierung beschließt neue Finanzhilfen

Die Bundesregierung hat neue Schnellkredite für den Mittelstand beschlossen. (Foto: Pixabay)
Die Bundesregierung hat neue Schnellkredite für den Mittelstand beschlossen. (Foto: Pixabay)

Um eine Pleitewelle im Mittelstand zu verhindern, hat die Bundesregierung am 6. April neue Finanzhilfen beschlossen. Diese sollen für Unternehmen mit elf bis 250 Mitarbeitern gelten. 

Laut Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschafsminister Peter Altmaier sollen kleine und mittlere Betriebe je nach Größe ohne Risikoprüfung bis zu 800.000 Euro erhalten können. Dabei übernimmt der Staat 100% des Kreditrisikos. Bei den bisherigen Programmen waren es 90%. Allerdings liegt der Zins jetzt höher als bei den bestehenden Kredithilfen. 

„Für diese Pandemie gibt es keine Blaupause. Als Bundesregierung müssen wir entschlossen und kraftvoll agieren – und die Situation ständig genau beobachten. Mit dem KfW-Schnellkredit legen wir jetzt ein weiteres Programm auf, das neben die bereits bestehenden Angebote tritt. Es wendet sich an kleinere und mittlere Firmen und Betriebe, die jetzt sehr sehr rasche Unterstützung benötigen und auf andere Bedingungen abstellen als unsere anderen Hilfen, die natürlich fortbestehen“, erklärte Bundesfinanzminister Olaf Scholz. „Durch die 100-prozentige Haftungsfreistellung und den Verzicht auf eine übliche Risikoprüfung wird sichergestellt, dass diejenigen Unternehmen, die nur durch die Corona-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, rasch einen Kredit bekommen. Wir rechnen mit sehr vielen Anträgen und werden zusammen mit den Banken und Sparkassen alles dafür tun, die technischen Voraussetzungen für eine schnelle Auszahlung zu schaffen“, ergänzt der KfW-Vorstandsvorsitzende Dr. Günther Bräunig.

Die Schnellkredite der KfW im Überblick:

Die KfW-Schnellkredite für den Mittelstand umfassen im Kern folgende Maßnahmen:

Unter der Voraussetzung, dass ein mittelständisches Unternehmen im Jahr 2019 oder im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen Gewinn ausgewiesen hat, soll ein „Sofortkredit“ mit folgenden Eckpunkten gewährt werden:

  • Der Schnellkredit steht mittelständischen Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten zur Verfügung, die mindestens seit 1. Januar 2019 am Markt aktiv gewesen sind.
  • Das Kreditvolumen pro Unternehmen beträgt bis 25% des Jahresumsatzes 2019, maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Mitarbeitern, maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50.
  • Das Unternehmen darf zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und muss zu diesem Zeitpunkt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen.
  • Zinssatz in Höhe von aktuell 3% mit Laufzeit 10 Jahre.
  • Die Bank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100% durch die KfW, abgesichert durch eine Garantie des Bundes.
  • Die Kreditbewilligung erfolgt ohne weitere Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW. Hierdurch kann der Kredit schnell bewilligt werden.
  • Der KfW-Schnellkredit kann nach Genehmigung durch die EU-Kommission starten.

Gesamtverband Textil+Mode begrüßt neue Finanzhilfen

Der Gesamtverband Textil+Mode hat die Entscheidung der Bundesregierung für neue Finanzhilfen begrüßt. „Für viele unserer mittelständischen Betriebe ist es 5 vor 12! Es ist deshalb ein Hoffnungsschimmer für unsere Unternehmen, dass Kredite für mittelständische Firmen für eine begrenzte Zeit mit einer 100-prozentigen Staatshaftung abgesichert werden sollen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Kreditanträge der Unternehmen aber auch schnell und unbürokratisch bearbeitet werden“, so Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Mazura. Angesichts der weiter geschlossenen Läden und des nahezu weltweit zusammengebrochenen Marktes für Mode und Textilien seien die Umsätze, vor allem bei den Bekleidungsunternehmen, um bis zu 85% und mehr eingebrochen. „Unsere aktuelle Umfrage zeigt: Unsere mittelständischen Unternehmen brauchen die Hilfen jetzt und zwar dringend, sonst droht eine Pleitewelle. Für viele Unternehmen helfen Kredite nur begrenzt, sie brauchen jetzt unabhängig von den Nachbesserungen des KfW-Kreditprogrammes schnelle nicht rückzahlbare Liquiditätshilfen zum Überleben. Außerdem ist es wichtig, so wie in Österreich Exit-Strategien aus dem Shutdown und Sicherheitskonzepte für die Wiedereröffnung von Läden zu konzipieren, damit der Handel wieder Bekleidung und andere Textilien verkaufen kann. Was in Supermärkten, Baumärkten und Drogerien mit Sicherheitsabstand und anderen Maßnahmen möglich ist, kann auch in anderen Bereichen des Handels umgesetzt werden“, so Mazura weiter.

Helge Neumann / 06.04.2020 - 13:56 Uhr

Weitere Nachrichten

ANWR-Vorstandssprecher Frank Schuffelen (Foto: ANWR)

Frank Schuffelen in Präsidium des Mittelstandsverbunds gewählt

ANWR Group

Der Vorstandssprecher der ANWR Group eG, Frank Schuffelen, ist in der Sitzung am 26. Mai zum Mitglied des Präsidiums des Mittelstandsverbunds – ZGV e.V. gewählt worden. Der Verband mit Sitz in Berlin und Brüssel vertritt die Interessen von ca. 230.000 mittelständischen Unternehmen, die in rund 310 Verbundgruppen organisiert sind.