Bündnis „Händler stehen zusammen“

„Corona-Hilfen willkürlich, ungerecht und völlig unzureichend“

Leere Innenstädte in der Corona-Pandemie, auch in Nürnberg. (Foto: Gierdre Ti/Unsplash)
Leere Innenstädte in der Corona-Pandemie, auch in Nürnberg. (Foto: Gierdre Ti/Unsplash)

Mehrere Händler aus Süddeutschland haben eine Initiative gegründet. Sie fordern eine „politische Richtungsänderung“. Zu den Initiatoren gehört auch ein großer Schuhfilialist.

Die Händler aus unterschiedlichen Branchen haben in den zurückliegenden Tagen bei Kollegen für ihre Initiative „Handel steht zusammen“ geworben. Mehrere hundert kleine und mittelgroße Unternehmen hätten sich seitdem der Aktion angeschlossen, teilen die Initiatoren mit. Am 24. Dezember wollen sie in Publikumsmedien auf die Lage der stationären Händler aufmerksam machen. Zu den Gründern des Bündnisses gehören Friedrich Werdich (Schuhhaus Werdich, Dornstadt), Simon Bittel (Parfümerie Bittel, Böblingen), Benjamin Rupp (Rupp OHG Lederwaren und Spielwaren, Wangen), Roland Reischmann (Reischmann, Ravensburg) und Klaus Michelberger (Herrenmoden Michelberger, Bad Wurzach).
Die Händler wollen nicht den Weg über Verbände einschlagen, um auf ihre Situation hinzuweisen. Vielmehr wollen sie Politik und Öffentlichkeit direkt erreichen – etwa über Pressemitteilungen oder auch Aushänge in Schaufenstern.

Laut einer gemeinsam verfassten Erklärung erkennen die Unternehmen den Ernst der Lage an und seien bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Sie kritisieren jedoch die Beschlüsse der Regierung. „Die privat geführten mittelständischen Handels-Unternehmen kämpfen um ihr Überleben und sind äußerst besorgt aufgrund der aktuell angeordneten Ladenschließungen für den Einzelhandel. Ganz besonders schmerzhaft ist der Wegfall des Weihnachtsgeschäfts“, so die Erklärung weiter.

Eine Umfrage bei den unterzeichnenden Unternehmen habe ergeben, dass die Infektionszahlen bei den Mitarbeitern in den Einzelhandelsbetrieben „sehr deutlich unterdurchschnittlich“ seien. In vielen Unternehmen gebe es keinen einzigen Infektionsfall. Und: „Wir wissen um keinen einzigen Fall, in welchem sich eine/r unserer Mitarbeiter/innen bei der Arbeit angesteckt hat. Weder durch eine Ansteckung von Kunden noch durch eine Ansteckung bei Kollegen. Unsere aufwändigen Hygienemaßnahmen haben das Einkaufen äußerst sicher gemacht“, so die Händler. Es gebe viele andere Wirtschaftsbereiche, die noch geöffnet seien, obwohl sie deutlich höhere Infektionszahlen als der Einzelhandel aufwiesen. „Daher sehen wir die derzeitigen Maßnahmen als an der falschen Stelle getroffen“, so das Händler-Bündnis.

 

„Existenz vieler werden der Symbolik geopfert“
 

„Wir können die Schließung der Einzelhandelsbetriebe nur unter der Prämisse nachvollziehen, dass das Symbol ’Schließung der Läden‘ für die Bevölkerung weithin sichtbar ist und möglicherweise einen Effekt auslöst. Die Existenz vieler Händler, Mitarbeiter und gewachsener Einkaufsstrukturen wird der Symbolik dieser Maßnahme geopfert“, argumentieren die Initiatoren. 
Zeitgleich seien die angebotenen Entschädigungen der Überbrückungshilfe III „willkürlich, ungerecht und völlig unzureichend.“ Die Hilfen kompensierten „nicht annähernd“ die Verluste im Schließungszeitraum und seien lediglich ein Ersatz für einen kleinen Teil der Betriebskosten.

Der Einzelhandel ist nach Überzeugung der Unterzeichner nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung: „Wer einkauft, macht das mit allen Sicherheitsvorkehrungen und nimmt keine anderen, potentiell gefährlicheren Aktivitäten wahr. Je mehr Händler geöffnet haben, desto mehr verteilt sich das Kundenvolumen auf eine größere Fläche. Bei der Beschränkung auf Supermärkte, Drogerien, Postämter, etc. bilden sich viel größere Menschansammlungen. Unter anderem in den Abteilungen, die die Sortimente der geschlossenen Geschäfte anbieten.“

Das Bündnis „Handel steht zusammen“ fordere daher „eine sofortige oder sehr zeitnahe Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen stationären Einzelhandels oder angemessene Entschädigungen.

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Petra Steinke / 22.12.2020 - 12:42 Uhr

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