Handel in Corona-Zeiten

Das Weihnachtsmarkt-Dilemma

Weihnachtsmärkte in ihrer gewohnten Form wird es 2020 nicht geben. (Foto: Daniil Silantev/Unsplash)
Weihnachtsmärkte in ihrer gewohnten Form wird es 2020 nicht geben. (Foto: Daniil Silantev/Unsplash)

Die zweite Welle der Corona-Pandemie rollt auf uns zu. Zugleich nähert sich das Jahr seinem Ende und das Weihnachtsgeschäft steht bevor. Wie könnten Weihnachtsmärkte gestaltet werden? Ein Überblick.

Reges Treiben in der Fußgängerzone. Die hell erleuchteten Buden des Weihnachtsmarkts haben viele Passanten angelockt. Rund um den Glühweinstand herrscht trotz Gedränge ausgelassene Stimmung. Die Menschen sind mit Tüten bepackt und lassen den Einkaufsbummel bei Currywurst und Punsch ausklingen. Ein Bild aus vergangenen Zeiten. 2020 wird alles anders sein. Und wie genau, das ist in vielerlei Hinsicht unklar. Weihnachtsmärkte – sind die überhaupt möglich? Und sind sie sinnvoll?

Grundsätzlich gilt: Kommunen haben über die Selbstverwaltung alle Angelegenheiten in ihrem Hoheitsgebiet selbst zu regeln. Das betrifft auch Weihnachtsmärkte. Es gibt aber einen Rahmen, innerhalb dessen sich die Kommunen bewegen dürfen. „So können die Länder selbstverständlich regeln, ob im Fall einer Pandemie ein Weihnachtsmarkt eine unverhältnismäßige Ansteckungsgefahr mit sich bringt und Auflagen erteilen oder diese untersagen“, heißt es dazu seitens des Handelsverbands Deutschland auf schuhkurier-Anfrage. Abgesehen von diesem Fall ist die Zulassung von Weihnachtsmärkten innerhalb der Gewerbeordnung geregelt. Die Länder können zwar eigene Gesetze erlassen; dies ist aber nur in Rheinland-Pfalz erfolgt.

Stellt ein Veranstalter den Antrag für einen Weihnachtsmarkt und dieser erfüllt die Voraussetzung der Gewerbeordnung, hat die zuständige Behörde den Weihnachtsmarkt festzusetzen. Diese Festsetzung umfasst unter anderem die Laufzeit, Öffnungszeiten und den Ort, an dem der Weihnachtsmarkt stattfinden soll. „Es wird also auch abzuwarten sein, wie sich die (meist) privaten Veranstalter verhalten werden“, so der HDE.


„Fest der Rücksichtnahme und Empathie“
 

Ob Weihnachtsmärkte während einer Pandemie eine sinnvolle Sache sind? Zu dieser Frage äußert sich der HDE gegenüber schuhkurier zurückhaltend. „Weihnachtsmärkte sind immer schon wichtige Anziehungspunkte für den winterlichen Besuch der Innenstädte und auch des Einzelhandels. In Corona-Zeiten ist es eine enorme Herausforderung, den unbeschwerten Besuch der Stadtzentren mit dem maximalen Schutz der Gäste in Einklang zu bringen. Oberste Priorität hat die symbiotische Verknüpfung von Shopping und Weihnachtsmarktbesuch bei gleichzeitiger Einhaltung aller Hygieneregeln. Die Weihnachtszeit muss im Jahr 2020 deshalb mehr denn je ein Fest der gegenseitigen Rücksichtnahme und Empathie sein.“

Auch aus den Bundesländern kommen zurückhaltende Signale. Eine Blitz-Umfrage des baden-württembergischen Handelsverband ergab, dass zahlreiche Kommunen in diesem Jahr keine Weihnachtsmärkte organisieren wollen oder können. Die Landesregierung will den Städten bislang keine Vorgaben machen. Solange die allgemeine Corona-Infektionslage das erlaube, sollten die Kommunen entscheiden, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen die Märkte stattfinden, heißt es seitens des Handelsverbands Baden-Württemberg.

In Nordrhein-Westfalen dürfen Weihnachtsmärkte grundsätzlich stattfinden, wenn sie alle Anforderungen der Corona-Schutzverordnung erfüllen. „Jede Kommune muss letztendlich selbst entscheiden, ob das zu stemmen ist“, ergänzt eine Sprecherin des Landesverbandes gegenüber schuhkurier. Man halte es für herausfordernd, aber machbar, in der Weihnachtszeit Märkte zu öffnen, beispielsweise „mit Einbahn-Regelungen und einreihig aufgestellten Hütten in größerem Abstand.“ Die Resonanz sei in den Kommunen bislang sehr unterschiedlich. Während einige bereits entschieden hätten, in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, seien andere noch in Überlegungen. Unzweifelhaft sei, dass die Vorbereitung mit enormem Aufwand und Kosten verbunden ist.


„Lieber klein und abgespeckt als gar nicht“

Uneinheitlich ist das Bild zurzeit auch in Bayern. Weihnachtsmärkte seien für den Einzelhandel im Land enorm wichtig, heißt es seitens des bayerischen Handelsverbandes. „Sie könnten manchem Händler helfen, das Jahr noch mit einem blauen Auge zu beschließen“, so ein Sprecher des Verbands gegenüber schuhkurier. Da es aber grundsätzlich – abgesehen von der Erfüllung gültiger Hygienekonzepte – keine Vorgaben zur genauen Gestaltung von Weihnachtsmärkten gebe, sei es für die Kommunen schwierig, Konzepte zu entwickeln. In den größeren bayerischen Städten sind laut Verband Märkte in Planung. Auch in Nürnberg soll der berühmte Christkindelmarkt stattfinden, wenn auch in abgespeckter Version.
Kleinere Städte täten sich auch aufgrund der räumlichen Gegebenheiten schwer; etliche hätten den diesjährigen Weihnachtsmarkt bereits abgesagt: Nicht überall sei es möglich, für ausreichend Abstand zu sorgen. Der Handelsverband will die Organisatoren ermutigen: „Vielleicht ist es besser, einen Weihnachtsmarkt in abgesteckter, kleiner Form zu veranstalten, als ganz darauf zu verzichten“, so ein Verbandssprecher im Gespräch schuhkurier. Andererseits: „Es ist auch nachvollziehbar, dass sich Veranstalter und Teilnehmer von Weihnachtsmärkten vorsichtig verhalten. Schließlich geht man in Vorleistung, schafft in großen Mengen Ware an. Und läuft Gefahr, am Ende darauf sitzen zu bleiben, wenn der Weihnachtsmarkt in letzter Minute wegen steigender Fallzahlen doch abgesagt werden muss.“

Nils Busch-Pedersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, bringt die Situation auf den Punkt: „Angesichts der aktuellen Situation lässt sich keine verlässliche Aussage zum Weihnachtsgeschäft treffen. Jede Prognose ist Stochern im Nebel, das sich die Lage innerhalb weniger Wochen deutlich ändern kann. Es ist zum heutigen Zeitpunkt völlig unklar, unter welchen Umständen und Einschränkungen es Weihnachtsmärkte geben kann. Generell würden diese Märkte und damit verbundene verkaufsoffene Sonntage dem Einzelhandel in Berlin und Brandenburg jedoch mit Sicherheit weiterhelfen."

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Petra Steinke / 14.10.2020 - 21:16 Uhr

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