Interview

Drei Fragen an: Markus Schelkle

Markus Schelkle (Foto: Vaude)
Markus Schelkle (Foto: Vaude)

„Es ist die größte Herausforderung in unserer Firmengeschichte.“ Markus Schelkle, Vertriebsleiter für die Bereiche Mountain Sports und Packs ’n Bags beim Outdoor-Ausrüster Vaude, gibt einen Einblick in die aktuelle Situation des Familienunternehmens.

 

Wie sieht aktuell die Situation bei Vaude sowie an den Produktionsstätten aus?

Markus Schelkle: Viele Kollegen sind seit dem 1. April in Kurzarbeit. In der Logistik ist eine Rumpfbesetzung tätig, auch die Manufaktur in Tettnang läuft noch. Allerdings stellen wir keine Masken her, was wir immer wieder gefragt werden. Darauf sind wir nicht ausgelegt. Wir verschweißen Planen-Material. Wir nähen nur in geringem Umfang, verfügen auch nicht über die notwendigen Stoffe und haben des Weiteren keinen „Reinraum“.

In Asien läuft die Fertigung in reduziertem Umfang wieder an. Wir pflegen langjährige Partnerschaften und wollen Stornierungen vermeiden, da wir unsere Lieferanten auch in Zukunft brauchen.

Unser Hauptabsatzmarkt ist Europa. Seit Mitte März haben wir daher im Sinne unserer Partnerschaft mit dem Handel alle Lieferungen gestoppt. Aber wir müssen unsere Lieferanten bezahlen. Auch für uns geht es daher aktuell vor allem um die Sicherung der Liquidität. Es ist die größte Herausforderung in unserer Firmengeschichte.

Gleichwohl laufen bestimmte Marketingaktivitäten weiter. Unseren Nachhaltigkeitsansatz, unsere Firmenwerte, spielen wir weiter über die verschiedenen Kanäle aus. Das Thema bleibt wichtig – und wird für die Konsumenten „nach Corona“ vielleicht noch mehr Bedeutung bekommen, wenn sie eine gewisse Sicherheit wiedergewonnen haben.

 

Die Geschäfte sind geschlossen. Wie unterstützt Vaude aktuell den Handel? Und: Wie kann der Handel Vaude unterstützen?

Schelkle: Wir liefern aktuell nur auf Kundenwunsch. Manche Händler haben einen gewissen Online-Anteil und rufen daher Ware bei uns ab. Auch bieten etliche Kunden inzwischen einen lokalen Lieferservice an. Diese Aktivitäten unterstützen wir, indem wir bis Ende April portofrei versenden. Der Händler kann also auch kleine Mengen ordern. Außerdem informieren wir die Besucher unserer Webseite www.vaude.com über Händler, die einen lokalen Lieferservice anbieten. Innerhalb von ein bis zwei Tagen schalten wir diese mit ihren Kontaktdaten frei, wenn sie das wünschen. Nach wie vor gilt außerdem, dass sich Händler einen Bestellauftrag über vaude.com sichern können, wenn sie die Ware vorrätig haben.

Ansonsten setzen wir weniger auf Pauschalmaßnahmen, sondern suchen mit den Händlern nach individuellen Lösungen. Unser Außendienst ist daher nicht komplett in Kurzarbeit, sondern kann angesprochen werden. In den Gesprächen verhalten sich die Kunden in einem hohen Maße solidarisch. Auch wir erfahren Unterstützung. Die Händler verstehen, dass wir unsere Ware bezahlen müssen.

 

Vaude ist nicht nur in der Lederwarenbranche, sondern auch in der Sport-, Mode- und Outdoorbranche aktiv. Sind alle Händler gleichermaßen von der Corona-Pandemie betroffen? Oder gibt es unterschiedlichen Herausforderungen?

Schelkle: Alle Branchen sind gleichermaßen betroffen, da gibt es keinen Unterschied. Auch im Online-bereich haben alle Branchen im März einen Einbruch erlebt. Erst in den letzten Tagen lief es wieder ein Stück weit besser.

Wir gehen aktuell für die Sommersaison 2021 wieder von einem relativ normalen Verlauf aus. Dafür werden wir auch Neuheiten zeigen, allerdings ggf. nicht so viele wie gewohnt. Unsere wichtigste Messe, die OutDoor by Ispo, fällt in diesem Jahr aus. Wir sprechen daher auch mit verschiedenen Händlern über die Möglichkeiten digitaler Messen, virtueller Messestände oder die Showrooms der Zukunft. Diese Entwicklung wird extrem spannend.
 

Tobias Kurtz / 09.04.2020 - 11:35 Uhr

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