Schuhhersteller in der Corona-Krise

Drei Fragen an: Ralph Wolter

Ralph Wolter, Geschäftsführer Finn Comfort (Foto: Redaktion)
Ralph Wolter, Geschäftsführer Finn Comfort (Foto: Redaktion)

Der fränkische Schuhhersteller Finn Comfort muss mit der aktuellen Situation umgehen. Geschäftsführer Ralph Wolter spricht über neue Herausforderungen und Unterstützung für den Handel. Drei Fragen an: Ralph Wolter. 

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihr Unternehmen?

Ralph Wolter: Die Corona-Krise trifft uns genauso unerwartet und hart wie alle unsere Geschäftspartner. So gut wie alle unsere Kunden weltweit haben geschlossen oder müssen mit massiven Einschränkungen zurechtkommen. Das heißt, das Geschäft mit NOS-Schuhen, das bei uns rund die Hälfte des Umsatzes ausmacht, ist zum Erliegen gekommen. Auf der anderen Seite kamen die Einschränkungen genau mitten in der Reisezeit der Vororder für H/W. Uns fehlt zum jetzigen Zeitpunkt noch die zweite Hälfte der Vororder für H/W 20/21, was zu massiven Schwierigkeiten für Materialdispo und Produktionsplanung führt. Aber auch unsere Lieferanten für Rohmaterialien sind betroffen. So haben wir, als sich die Probleme abzeichneten, versucht, bei allen Rohmaterialien die Bestände hochzufahren, und machen dies soweit möglich immer noch. Dadurch wollen wir sicherstellen, dass wir auch weiterhin jederzeit den gewünschten Schuh an den Händler liefern – auch wenn Teile der Lieferkette, wie zurzeit aus Italien, unterbrochen sind.
Des weiteren testen wir mit den lokalen Behörden in Haßfurt die Fertigung von Mund-Nasen-Masken in unserer Stepperei. All diese Anstrengungen, hohe Rohwarenbestände, Aufstockung unseres NOS-Lagers, Produktion der H/W Ware, um pünktlich zu liefern, schnelle Bezahlung unserer Lieferanten, damit diese überleben, und teilweise zögerliche Zahlungseingänge bei uns führen zu einer großen Belastung beim Kapital und bei der Liquidität.
So haben wir auf der einen Seite hohe finanzielle Belastungen und auf der anderen kaum Auftragseingänge, so dass die Produktion gedrosselt werden muss, bis die Rahmenbedingungen wieder besser werden. 

 

Wie unterstützen Sie in dieser Situation den Handel?


Wir haben die Auslieferung der F/S-Ware für die Zeit der Ladenschließungen gestoppt, soweit es vom Handel nicht anders gewünscht ist. Für die noch auszuliefernde Vororderware gewähren wir 30 Tage Valuta. Wir verschicken täglich die Sofortbestellungen unserer Lagerware. Des weiteren haben wir den Orderzeitraum für die H/W 20/21-Ware verlängert und die Lagerhaltung der NOS-Ware erweitert, damit der Handel, sobald die Läden wieder geöffnet sind, auf unser Lager zurückgreifen kann.

 

Wird Corona die Branche verändern? Wenn ja, wie?


Es steht zwar mit Sicherheit fest, dass es zu bleibenden Veränderungen kommen wird, eine genaue Prognose halte ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt für unseriös. Es sind noch zu viele Faktoren wie die Dauer der Schließungen, das Ausmaß der Schließungen in den verschiedenen Ländern sowie die Zeitpunkte und Art der Hilfeleistungen nicht kalkulierbar. Es bleibt abzuwarten, wie die einzelnen Maßnahmen greifen und wie sich der Markt wieder stabilisieren kann.

Petra Steinke / 06.04.2020 - 08:13 Uhr

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