Corona-Pandemie

Günter Althaus leitet Task Force für Liquidität des Mittelstands

Günter Althaus (Foto: ANWR)
Günter Althaus (Foto: ANWR)

Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen viele Unternehmen. Aber kaum eine Gruppe wird in dieser Situation so allein gelassen wie die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Eine Task Force des Mittelstandsverbund hat dafür einen Lösungsansatz gefunden.

„Wir trocknen aus“, sagt Günter Althaus, Leiter der Task Force „Liquidität für den Mittelstand“. Und er macht die Dramatik an einer Analogie verständlich: „Sie können den Wirtschaftskreislauf eigentlich ganz gut mit dem menschlichen Körper vergleichen: Wenn der Blutkreislauf bei Menschen nicht richtig funktioniert, werden die Organe geschädigt. Und wenn dieser Prozess länger dauert, meistens irreparabel. Genauso ist es mit der Wirtschaft. Das Blut für das Wirtschaftssystem ist die Liquidität.“

Aufgrund staatlicher Anordnung sind einhunderttausende Unternehmen nicht mehr in der Lage, ihr Geschäft zu betrieben und Umsätze zu erzielen. Gerade im Handel löst das bei den vielen kleinen und mittleren Unternehmen geradezu Panik aus. Denn die laufenden Kosten, die Löhne an die Mitarbeiter, die Mieten oder auch die bestellte Ware, müssen weiterbezahlt werden. Die Frage ist nur, wovon. Die vorhandenen Reserven, sofern es sie überhaupt gibt, sind schnell aufgebraucht.

Günter Althaus dazu: „Bei der Bekämpfung der Pandemie ist unser Fokus die Übertragung von Viren, wir versuchen die Ansteckungsketten zu unterbrechen. Deshalb schließen wir Geschäfte, verhindern Kontakte von Mensch zu Mensch. Wir müssen jetzt die finanzielle Ansteckungsgefahr und die damit verbundenen Kettenreaktionen ebenso verhindern. Der Virus heißt „Zahlungs-Störungen“. Die Immunisierung „Liquiditätszuführung.“


Problem: der Faktor Zeit
 

Die Politik verspricht Hilfe. Und stellt erhebliche Finanztöpfe zur Verfügung. Leider hat sie aber keine geeignete Organisation, die diese Hilfe in die Unternehmen bringen kann. Zumindest nicht kurzfristig. Und da liegt im Moment das Hauptproblem. Es ist der Faktor Zeit. „Wir trocknen aus,“ sagt Günter Althaus. Nicht weil es an der Bereitschaft fehle, die dringend benötigte Liquidität bereitzustellen. „Es dauert schlicht zu lange.“

„Wenn wir weitere zwei Wochen daran festhalten, dass die notwendigen finanziellen Mittel aus der staatlichen Unterstützung allein über die Förderbanken oder wie beim Kurzarbeitergeld allein über den klassischen Antragsweg bei den Arbeitsämtern zugeteilt werden, wird das Wirtschaftssystem in Deutschland irreparablen Schaden nehmen“, ist sich Althaus sicher. Und dabei wird es nicht bleiben. „Wenn in vier Wochen nicht alle eingehenden Anträge auf Bereitstellung von Kurzarbeitergeld bearbeitet sind, und das ist nahezu unmöglich, werden spätestens Ende April Millionen von Haushalten ohne Einkommen dastehen. Dann nützt auch die Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung sieben Tage die Woche nichts. Denn es dürfte kaum zu erwarten sein, dass die Lebensmittelhändler ihre Ware verschenken.“

Der Handelsexperte ist überzeugt: „Wir müssen andere Wege nutzen, um schneller die benötigte Liquidität aus den staatlichen Finanzierungstöpfen zu den Unternehmen und damit auch den Beschäftigten vor Ort zu bringen“, sagt Günter Althaus. Und er und seine Kollegen haben ganz konkrete Vorschläge an die Regierenden in Bund und im Ländern vorgelegt. Maßnahmen, die schon ab nächster Woche greifen könnten.
 

Task Force des Mittelstandsverbunds

„Wir verfügen im deutschen Mittelstand über ein funktionierendes Zahlungssystem, mit dem wir schon seit mehr als 50 Jahren die Zahlungsströme zwischen der Industrie und dem Handel abwickeln. Dieses System kann ganz einfach und sofort für die Durchleitung öffentlicher Liquiditätshilfen genutzt werden. Man müsste es nur machen.“

Die Details hat die vom Mittelstandsverbund eingesetzte Task Force am Freitagmorgen an zahlreichen Stellen beim Bund und in den Ländern platziert. Konkrete Zusagen der Verantwortlichen stehen noch aus. „Wir bleiben dran. Natürlich auch das ganze Wochenende“, gibt sich die Task-Force kämpferisch. „Geschwindigkeit ist jetzt entscheidend.“

Petra Steinke / 20.03.2020 - 20:00 Uhr

Weitere Nachrichten